Botanische Illustrationen 2011 - 2014

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Acker-Kratzdistel vom Napoleonstein ( Cirsium arvense )

"Keiner trägt mich weiter, du mein Rückenwind....."

Silberdistel (Carlina acaulis) Original verkauft 

"So ist es die allmächtige Liebe, die alles bildet, alles hegt."

Als Rat an einen geilen Mann: Damit Frauen ihm nichts abschlagen können, solle er neben Baldrian auch Eberwurz (Silberdistelwurzel) im (am) Hodensack (wohl eher in der Hose) tragen. So empfiehlt es ein alter Aberglaube.

Kaiser Karl der Große (sieben Karls gab es, es soll wohl der Fünfte gewesen sein) muss wohl für den Namen „Karlsdistel“ einstehen. Auf einem seiner Kriegszüge sei das Heer von der Pest heimgesucht worden - ein äußerst lästiger Umstand bei diesem Vorhaben. Der Kaiser hatte unruhige Nächte, da erschien ihm im Traum ein Engel, der den Monarchen anwies, einen Pfeil in die Luft zu schiessen. Dort, wo der Pfeil niederging, stünde das Kraut gegen die furchtbare Seuche. Karl tat wie ihm gesagt. Der Pfeil durchbohrte die Wurzel der Silberdistel. Gleich wurde sie den Mannen verabreicht und alsbald leerten sich die Krankenlager und der Feldzug nahm erfolgreich Verlauf (nur die besiegten Sachsen sahen das ein wenig anders). 

„Wer dieser Wurzel geniessen will, der muss allein mit großer Arbeit hinter ihre Kraft kommen - denn ohne große Mühe tut sie nichts.“ , heisst es. Welch saturnische Aussage. 

Paracelsus berichtet, dass ein Mann, der Eberwurz bei sich trug, ein drei Zentner schweres Weinfass aufgebunden habe. Zwölf Männer haben ihn begleitet, und mit der Hilfe der Eberwurz habe er die Kraft diesen Männern entzogen und auf sich selbst gelenkt. Alle zwölf Männer seien schwach und krank geworden und mussten aufgeben. Im Salzburgischen werden die Pflanzen am Sonnenwendabend ausgehoben und zwischen die Rundhölzer der Hauswände gesteckt. Moospolster und etwas Erde müssen das nicht sehr anspruchsvolle Gewächs versorgen. Bis zur nächsten Sonnenwende zeigte die verdorrte Silberdistel an, wieviele Todesfälle das Leben dem Haus brachten. Unzweifelhafte Sehergaben hat die Art dagegen als Wetterprophet. Wenn die Luftfeuchte ein bestimmtes Maß überschreitet, schliesst sich die Blüte, daher ist auch der Name Wetterdistel besonders bei Wanderern geläufig. Der Silberglanz jedoch wird nicht von den Blütenkronen selbst, sondern vielmehr den inneren Blütenhüllblättern verbreitet. 

Der Name Carlina entstammt wahrscheinlich einer oberitalienischen Dialektform, nämlich „cardelina“, was so viel bedeutet wie distelförmige Sippe, was auch über den Namen des Distelfinks, von „carduus“ abgeleitet wird. Die Bezeichnung „acaulis“ stammt vom Griechischen „äkaulos“ ab, welches als „kurzhälsig“ oder auch „stengellos“ betrachtet werden kann.

Eberwurz half bei Viehseuchen und Fressunlust, kann auch heute noch als Apettitmacher angesehen werden. Der Zauber von behexten Kühen ließ sich durch sie lösen, Hühner wurden mit ihr entzaubert und man nagelte sie an die Stalldecke, um Hexen fern zu halten.

Die Silberdistel wächst an mageren Hängen, auf Magerwiesen, lichten Wald- und Buschbeständen. Häufig kommt sie an den Muschelkalkhängen um Jena, aber auch in der Rhön (auch Rhöndistel) vor. Heute ist sie durch Überdüngung und dem immer weniger werden von Magerwiesen recht rar geworden und steht unter Naturschutz. Sie war bei Frauen ein beliebtes Mitbringsel von Wanderungen, wovon heute abzuraten ist. Auch meine Oma konnte dem verlockenden Antlitz der Silberdistel nicht widerstehen. Früher hatte die Silberdistel auch als wilde Artischocke Verwendung in der Küche und sie galt als Delikatesse, wovon auch abzuraten ist, da die Bestände zurück gegangen sind. 

Magerwiesen bilden einen wichtigen Bestandteil in Flora und Fauna. Wir erfreuen uns im Frühling an gelb blühenden Wiesen, kennen den Anblick einer bunt blühenden und von Insektenvielfalt nur so durchtränkten Magerwiese kaum. Letztere werden durch Überdungung und extensive Bewirtschaftung immer weiter zurück gedrängt, sie werden in gelbe und fette Flächen verwandelt und von stickstffliebenden Pflanzen besiedelt. Insekten und Falter, von denen viele einen Aktionsradius von weniger als 30 Meter haben und davon abhängig sind, dass in diesem Bereich alle Überlebensfaktoren vorhanden sind, werden zurück gedrängt, sterben aus. Von etwa 50 heimischen Falterarten, die in den zwanziger Jahren allgegenwärtig waren, begegnen uns heute gerade noch  vier oder fünf. Auch die ehemalige Vielzahl an Wildbienen hat sich stark reduziert. Jeder dritte Bissen, den wir nehmen, ist von der Bestäubungsleistung der Bienen abhängig. Es liegt auch an uns, wie wir unsere Gärten gestalten. Es gibt einen Weg…

Hagebutte/Hunds-Rose (Rosa canina)

"Die Liebe ist die Gefahr des Einsamen, die Liebe zu allem, wenn es nur lebt!"

Jede Hecke und wilde Ecke im Garten bietet Insekten Schutz vor kalten, austrocknenden Winden und eignet sich als regelrechte Bienenweide, Futter- und Aufenthaltsort für Vögel und Kleingetier. Neben Schlehe, Traubenkirsche, Felsenbirne, Maulbeere, Sanddorn und Weißdorn gehört auch die Heckenrose unbedingt dazu. 

Die einen ursprünglichen Wald oder naturnahem Garten umschliessende Hecke ist ein „Ort des Übergangs“, die Einlass gewährt in eine Welt der Vielfalt, die nicht nur dem heutigen  Schrebergärtner einen Schauer durch Mark und Bein bescheren wird.

Nicht umsonst empfiehlt Edward Bach bei seinen Bachblüten die Heckenrose „Wild Rose“ bei Resignation und Apathie; Lebenseinstellungen wie „...ich lasse die Dinge laufen...“, „...es ist doch egal...“ und „...ich habe mich damit abgefunden.“ begegnen wir ununterbrochen. Neue Ansichten, neues Lebensinteresse, Unternehmungslust und Zugriff auf neue Chancen vermittelt uns die „Wild Rose“ - daher ist sie wohl auch eine der am häufigst verschriebenen Bachblüten überhaupt. Vielleicht sollte man sie als „gesellschaftliches Therapeutikum“ in unser Trinkwasser einleiten - anstelle von überdosiertem und daher stumpfsinnig machendem Flourid, unfruchtbarmachenden Hormonen und Antidepressiva aus Human- und Veterinärmedizin, Betablocker, Antibiotika, Antihistaminika usw.. Ob bewusst vollzogen oder „ungewollt“, es macht uns krank, abhängig, beeinflussbar, steuerbar, form- und manipulierbar. Wir sollten Alle durch die Hecke, „den Ort des Übergangs“ gehen, schauen, was dahinter liegt, uns zu empfangen und zu begrüßen bereit ist, ohne uns zu fragen und zu fordern aufnimmt - Mutter Erde, Freya, Gaia, Mutter Natur, Frau Holle und welche Namen man ihr auch noch gegeben haben mag. Und dies, um festzustellen, dass wir selbst es sind, auf den wir treffen, aber so, wie wir gedacht sind.

Doch auch dieser Weg wir nicht so einfach zu gehen sein, weil er doch mit der Transformation unseres Selbst in Verbindung steht. Hecken scheinen oft undurchdringlich, wirken undurchsichtig, verworren, sind sie doch mit Dornen (botanisch betrachtet Stacheln) gewappnet und halten all jene zurück und fest, welche noch nicht reif sind, den Übergang zu wagen. Die Rosenhecke, die das  hoch  über Allem drohnende Schloss umgibt, in welchem Dornröschen ihren 100-jährigen Schlaf schläft (sie weilt in anderen Dimensionen) steht symbolisch für eine andere Welt, der Anderswelt, eine übergeordnete Welt, dem Nirvana, einen Paralleluniversum -, wir wissen es nicht besser. Ich denke, dass nur jene Prinzen und Eroberer in der Hecke hängen blieben, welche rein instinktiv oder triebgesteuert handelten, zu Höherem aufsteigen wollten, dies aber nicht aus unbeflecktem Herzen und auch nicht aus reiner Selbstlosigkeit taten. Sie wurden zurück ins irdische Dasein geworfen, müssen ihre karmische Aufgabe erst noch erkennen um sie erfüllen zu können. Dornröschen erscheint mir hierbei wie der Schöpfungsgedanke selbst, den es hoch oben auf dem Schloss zu erklimmen gilt. 

Die Blütenblätter der Heckenrose ergeben einen angenehm schmeckenden Tee, die gerösteten und gemahlenen Samenkerne einen guten Kaffeeersatz, können auch als Mehl Verwendung finden. Besonders in Franken wird noch heute Hiffenmark (Hagebuttenmarmelade) hergestellt. Eine sehr aufwendige und mühselige Arbeit zwar, aber kulinarisch unvergleichlich. Kinder bastelten sich aus Hagebutten Ketten, Figuren oder Geschirr für die Puppenküche. Die Früchte mit ihren Härchen waren als Juckpulver in Kinderkreisen gefürchtet. 

Die „wilde Rose“ ist in der Mythologie der Göttin Freya zugeordnet, entspricht im keltischen Baumorakel einem empfindsamen Menschen, der gerne zum Selbstschutz seine Stacheln ausfährt. Die Astrologie erkennt in der Rosenblüte die Signatur der Venus, die für Ausgleich, Mütterlichkeit, Substanzbildung und die Verbindung von Geist (Dornröschen?) und Materie (Prinz?) steht. Doch ist auch der wehrhafte Mars  (Stacheln, sich zunehmend rot färbende Stengel) fester Besandteil des Pflanzenwesens. Er steht für Abwehr, Stich, Verletzung, Beschleunigung und Überreaktion. 

In Dantes „Divina Commedia“ (die Göttliche Komödie; Dante Allighieri) symbolisiert der Fünfstern die Mystische Rose (wie auch in Goethes Garten im Ilmpark). Die Zahl Fünf bildet bei allen Rosengewächsen ein deutliches Erkennungsmerkmal. Die Blütensymetrie spiegelt die fünf Schleifen, welche der Planet (Venus) bei seinem Umlauf innerhalb von acht Jahren entlang der Ekliptik (die scheinbare Bahn der Sonne) zeichnet. Diese  Signatur und die enge Beziehung zu kosmischen Rhytmen verleihen Rosengewächsen den Ruf, Kreisläufe und rhytmische Prozesse im Körper zu beeinflussen.

Roßkastanie (Aesulus hippocastanum)

Sie  ist wohl der erste Baum, den wir als Kinder zweifelsfrei zu deuten wussten. Das Sammeln seiner Früchte spricht unseren Urinstinkt, zu Sammeln um zu überleben, an, auch wenn die Kastanien dann als Futter für Wildtiere oder für Basteleien verwendet werden.

Ursprünglich ist er ein Baum des Südens, obwohl seine genaue Herkunft nicht mehr nachvollziehbar ist. Ausgedehnte, natürliche Kastanienwälder gibt es nur noch im Appennin, die Vorkommen auf der iberischen Halbinsel und in Frankreich sind jedoch nicht ursprünglich. Das berühmteste Exemplar gedieh auf dem Ätna und soll einen Stammumfang von unglaublichen 61 Metern besessen haben. Noch heute existieren dort Exemplare mit einem Stammdurchmesser von sechs Metern. Die Kastanie scheint wohl doch die Hitze zu lieben, ein Kind der Sonne zu sein!

Karl der Große empfahl Kastanienbäume gemeinsam mit Maulbeer-, Mandel- und Feigenbäumen zum Anbau in den königlichen Pfalzen. Auch wurde zu dieser Zeit der Vergleich zwischen Kastanienbaum und Kartoffelstaude als Nahrungsmittel getroffen. Bis zum 17. Jhd. war die Kastanie in wärmebegünstigten Regionen ein Volksnahrungsmittel. Mit einem Stärkeanteil von 43% sicherten die Früchte das Überleben der notleidenden Bevölkerung bei Missernten. Die Kartoffel aber gewann das Rennen im Zuge der sich im 18. Jhd. anbahnenden landwirtschaftlichen Revolution. 

Früher wurden die Maronen neun Tage gewässert, danach räucherte man sie einige Wochen in einem Dörrhäuschen. Je länger sich dieser Prozess hinzog, desto haltbarer wurden die Früchte. Danach füllte man sie in einen Jutesack und hing sie so lange über einen Hackstock, bis sich die Schale von allein löste. Kühl und trocken konnten sie so zwei bis drei Jahre aufbewahrt werden. Gemahlen und vermischt  mit Roggenmehl wurde so in Kalabrien und Korsika das so genannte Baumbrot gebacken. 

Noch heute werden in Frankreich dreihundert Kastaniensorten unterschieden, von denen sich nur wenige auf dem Markt wirklich durchsetzen können. Ihr mehliger, irdener und etwas dumpfer Geschmack stößt heute mehr auf Ablehnung. Übrig geblieben von der einstigen Vielfalt sind allein die Maronibräter in den Fußgängerzonen mitteleuropäischer Städte. Bei uns dienen sie hier und da als Füllung für die Martinsgans, als Beilage zu Wildgerichten, seltener als Suppenzutat.Der Sinnspruch, die Kastanien aus dem Feuer zu holen kommt daher, dass sie im Kochwasser oder im Ofen gegart werden. Sie heraus zu holen, galt als unangenehme Aufgabe.

Nach Hildegard von Bingen ist „…die Frucht sehr nützlich gegen jede Schwäche die im Menschen ist.“ Und weiter sagt sie: „Der Mensch, dem das Gehirn infolge Trockenheit leer ist und daher schwach im Kopf ist, koche die Fruchtkerne im Wasser und er füge nichts anderes hinzu, und wenn das Wasser ausgegossen ist, soll er es nüchtern und nach dem Essen nehmen und sein Gehirn wächst und wird gefüllt und seine Nerven werden stark und es wird der Schmerz im Kopf weichen.“

„Wer im Herzen Schmerzen hat, dass seines Herzens Stärke keine Fortschritte macht, und wenn er so traurig wird, dann esse er oft diese rohen Kerne, dies gießt seinem Herzen einen Saft wie Schmalz ein und er wird an Stärke zunehmen und seinen Frohsinn wieder finden.“

„Wer aber Schmerzen in der Milz leidet, brate diese Kerne etwas am Feuer, und dann esse er sie oft etwas warm, und die Milz wird warm und strebt nach völliger Gesundheit…“

 

Eingriffliger Weißdorn (Crateagus monogyna) zwei Bilder, ein Zitat

"Ich fühl mich so befreiet von eitlem Trieb und Streit, nichts mehr das Herz zerstreuet, in seiner Fröhlichkeit."

Er (oder sie?) ist mir eines der liebsten Gehölze in unseren Breiten. Sein überschäumendes Blühen im Frühjahr, sein üppig-dichtes Grün im Sommer und seine satten, leuchtenden Beeren im Herbst künden von Vitalität, Kraft und Gesundheit. Aus blühenden Hecken ist er nicht wegzudenken; sowohl aus Gründen des Schutzes vor austrocknenden Winden und als idealer Aufenthaltsort für Vögel und Kleingetier, gibt er dem Vogelgeschlecht reichlich Futter und uns Säfte, Gelee und Konfitüren.

Bei den Slawen galt der Weißdorn noch als sicherer Schutz gegen Vampire und die Römer steckten seine Zweige zum Schutz an Stall- und Haustüren. In einem Hof, der von diesem Gewächs umgeben, lässt sich ruhig schlafen. Im isländischen wird er auch als Schlafdorn bezeichnet. Odin machte von diesem Zauber Gebrauch, als er Brunhilde mit einem Weißdornstachel stach, so dass sie in tiefen Schlaf versank. Dornröschens Rosenhecke bestand wohl auch unter anderem aus Weißdorn, auch die Hecken von Schneeweißchen und Rosenrot können nur aus Weiß- und Rotdorn gewesen sein.

Merlin, der Archetypus der keltischen Druiden, schläft träumend bis ans Ende der Zeit unter den Zweigen des Weißdorns. Gallische Christen waren überzeugt, dass die Dornenkrone des Heilands aus Weißdornzweigen bestand.

Bis heute erhält das britische Königshaus zu Weihnachten einen Blütenzweig von diesem Baum. Der Brauch, vor der Wintersonnenwende Obstholzzweige (Rosengewächse) zu brechen und zum „Glühen“ zu bringen, gehört in den Kreis des keltisch-germanischen Fruchtbarkeitszaubers. Der Brauch wurde auf die heutige Barbara übertragen. An ihrem Namenstag, dem 4. Dezember, gehen die Frauen und brechen – sie dürfen nicht geschnitten werden – die Barbarazweige. Das Blühen über Weihnachten weist auf ein gutes, glückliches und fruchtbares Jahr hin.

Weißdorn heißt der Heckenstrauch wegen seines hellen Holzes; ganz im Gegensatz zur Schlehe, die wegen ihrer dunklen Rinde auch Schwarzdorn genannt wird. Der Rotdorn ist übrigens nichts anderes, als ein Weißdorn, der rot blüht. Allgemein jedoch ist die Blüte weiß, die mehligen Beeren rot. Rot, Weiß und Schwarz sind die mystischen Farben „der“ Göttin (Frau Holle), die Farben von Milch, Blut und Tod. Alle dornigen Heckenpflanzen gehören der großen, weißen Göttin, deren Spur uns noch heute in vielen Märchen begegnet.

Der Tee aus getrockneten Blüten, Blättern und Beeren wirkt vorbeugend und als Heilmittel bei degenerativen Herzerkrankungen. Ein Aufguss von zwei bis drei Tassen täglich hilft bei Herzschwäche, Angina pectoris, Fettherz, Bluthochdruck, Herzklopfen, unregelmäßigem Puls, Herzstechen, Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße und bei Schlafstörungen. Der Tee kann über Jahre und ohne Pause genommen werden. Herzkranke sollten es zunächst immer mit Weißdorn probieren, bevor sie zu Herzpräparaten anderer Herkunft greifen.

Erst kürzlich hieß es wieder, dass Herzerkrankungen die Todesursache Nummer Eins in Thüringen sei; sicher auch im Rest des Bundesgebietes. Muss es uns dann noch wundern, dass uns der Weißdorn auf Schritt und Tritt begegnet? Alles was wir brauchen, wird sich uns zeigen, oder besser offenbaren. Die Wegwarte fällt mir immer mehr dort auf, wo wir uns wirklich bewegen – am Rande von Autobahnen und Bundesstraßen, aber immer weniger an den Rändern der Wege, die wir nicht mehr gehen.

Die offenkundige und weithin sichtbare Vitalität des Weißdorns können wir, wenn wir der Natur, der Schöpfung, dem Gottesfunken wieder mehr Achtung und Respekt zollen, durchaus auf uns übertragen und in uns aufnehmen.

 

Hopfen (Humulus lupulus)

"Ich bin ein Wanderer, und ein Bergsteiger, und ich liebe die Ebenen nicht, und es scheint, ich kann nicht lange stillsitzen."

Der Hopfen scheint, abgeleitet von seiner Verwendung als Bierwürze, ein urdeutsches Gewächs zu sein, doch wurde er zu Zeiten der Völkerwanderung aus Russland nach Europa gebracht. Griechen und Römer hatten Kenntnis von ihm, die Verwendung zur Bierbrauerei geht neben Deutschland auch von Frankreich aus. Doch bevor er zur Bierherstellung Verwendung fand, wurden neben Schafgarbe und Beifuß auch andere Bitterkräuter zur Verleihung der Würze verwendet. 

Seine Triebe mäandern sich durch ganz Europa, durch Sibirien, den Kaukasus und über den Polarkreis hinaus.  Wir finden ihn in Hecken, Gebüschen, an Flussufern und Waldrändern; also auch überall dort, wo sich Orte des Übergangs befinden, wo uns ein anderes Erlebnis- und Daseinssystem, eine andere Dimension erwartet.

Über die Benennungsmotive herrscht Unsicherheit. Lupulus, weil sich Pflanze wie ein Wolf (Lupus) um andere Pflanzen schlingt (wobei die Pflanze kein Schmarotzer ist, wie oft behauptet wird). Im Lateinischen bedeutet Lupus genau genommen Wolfshaken, womit die Kletterhakenhaare gemeint sein könnten. Daher findet sich bei Plinius wohl die Bezeichnung Lupus salictarius, was Weidenwolf bedeutet.

Im Aufguss und Absud fand Hopfen früher Verwendung bei Indigestion (Verdauungsstörung), Dyspepsie (Reizmagen), Scrophulose (Halsdrüsengeschwulst bei Kindern) und Rheumatismus.  Das Lupulin, eine bitter-gelbe Flüssigkeit aus den Fruchtkegeln, die getrocknet und gesiebt wird, wurde bei schmerzhaftem Urethral und Blasenleiden gegeben. Der Pariser Apotheker Planche war der erste, der 1813 die Aufmerksamkeit auf die Hopfendrüsen lenkte.

Hopfen vermindert Irritationen und wird bei Panikzuständen und Nervosität verwendet. Chemisch ist er mit THC, einem Cannabinoid verwandt. Er gibt uns ein Cannabis-ähnliches „High“ mit beruhigenden Qualitäten, Entspannung und tiefem Schlaf zugleich. Er zählt zu den Hanfgewächsen. Hopfenpflücker, die ihre Arbeit noch per Hand vollzogen, wurden schon nach kurzer Zeit recht müde.

Das Lieblingsgetränk der Männer allerdings (Bier) müsste ein Frauengetränk sein. Dies nicht nur, weil hierfür ausschließlich die weiblichen Blütenstände verwendet werden. Hopfen enthält Phytoöstrogene, er wirkt daher bei Wechseljahresbeschwerden und bei jungen Frauen wurde eine menstruationsfördernde Wirkung beobachtet. Vielleicht liegt es an den mit dem Hormon Östrogen verwandten chemischen Verbindungen, dass Bier trinkende Männer durchaus „weibliche Rundungen“ anzunehmen vermögen. Man ist nicht nur das, was man ist, sondern wohl auch das, was man trinkt.

Seine Heilwirkung wird mit antibakteriell, beruhigend, blutreinigend, entzündungshemmend und schmerzstillend grob umrissen, so wie es bei Bitterkräutern gute Sitte ist. Weiter wirkt er bei Magen- und Darmkrämpfen, Verstopfungen, Blasenentzündung, Blasensteinen, Herzklopfen, Schlafstörungen, Migräne und Angstzuständen. 

Die Signaturenlehre ordnet den Hopfen den Saturnpflanzen zu, die oft einen sauren oder bitteren Geschmack haben, zusammenziehend wirken, oft giftig sind (wie gefleckter Schierling, Salomonsiegel, Bilsenkraut und Stechapfel) und nur wenig Energie in eine farbenreiche und duftende Blüte verschwenden. Saturn ist derjenige, der allgemeine Spielregeln festlegt, damit kein Chaos ausbricht. er beschneidet und lenkt den Entfaltungsspielraum der Zellen und Organe, um die bestmögliche Funktion des Organsimus zu gewährleisten. Ist dies zu stark ausgeprägt, kommt es zur Erstarrung, der Vielfalt von rheumatischen und anderen chronischen Erkrankungen. Letztere haben sogar den Namen Saturns erhalten; Chronos lautet sein griechischer Name. 

Wer Hopfen im Garten haben möchte, muss eines bedenken; seine unerschrockene Vitalität zum einen und die Standortauswahl zum anderen. Schnell umschlingt und durchrankt er alles, was sich seinen agilen Trieben in den Weg stellt. Und das ist schlichtweg Alles. Als Randbepflanzung in wilden Hecken oder zur Begrünung dürrer oder abgestorbener Bäume und ist er gut geeignet. Möchte man ihn dazu bringen, Bögen oder Pergolas zu umranken, bedarf es fast täglicher Fürsorge, Hilfestellung und hin und wieder ein wenig Zurechtweisung. Zwar wächst und wuchert der Hopfen recht schnell, doch, wie bei Staudengewächsen üblich, sind die oberirdischen Teile einjährig und sterben ab. Die Prozedur der Begrünung muss im Folgejahr demnach aufs neue beginnen. Doch zur Belohnung können die jungen Triebe als äußerst delikates Wildgemüse geerntet werden; diese ähneln in Geschmack und Aussehen grünem Spargel. Die Hopfenblüten selbst zeigen sich erst Ende August, manchmal auch etwas später. 

 

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)  Original verkauft 

"Unerschütterlich ist meine Tiefe; aber sie glänzt von schwimmenden Rätseln und Gelächtern."

Keiner von uns wird sich der Allgegenwärtigkeit des Holunders erwehren können. Er ist ein Baum, an dem sich die Geister scheiden. Die Einen mögen und ehren ihn, die Anderen verachten und hassen ihn. Letztere, weil mit der Unbeliebtheit meist der Gedanke des Entfernens einhergeht, leben und handeln nicht ungefährlich. Nicht umsonst wird gesagt: „Willst du aus dem Leben scheiden, musst du den Holunder schneiden!“ Und tatsächlich; wer sich am Holunder - dem Tor zur Unterwelt der Frau Holle und des Teufels zugleich -  vergeht, dem Blühen der Mythologie zufolge sieben Jahre Pech.

Noch heute ziehen Bauern, wenn sie auf ihrem Weg einen Hollerbusch passieren, ihren Hut, weil sie wissen, dass sich in ihm das Tor zur Unterwelt befindet und er gute Geister beherbergt. Aber auch, weil er die „Unholderwesen“, sogenannte Gichter und Gichtinnen, welche Krankheiten unter den Menschen verbreiten, anzieht und direkt in den Kochtopf der Frau Holle befördert. Diese stellt des Teufels Großmutter dar, welche in dem Topf rührt und so das Abendessen für den Teufel bereitet, der zu dieser Zeit noch nicht dem Bild entspricht, welches wir heute noch, vermittelt durch die Kirche, haben.

Der Holunder hat etwas helles, etwas Himmlisches, wenn man im Mittsommer die Blüten betrachtet. Sie recken sich direkt der Sonne und dem Himmel entgegen, verströmen einen intensiven Duft, der uns regelrecht zu betören vermag. Viele mögen diesen Duft nicht, weil er die Schleimhäute bisweilen reizt, uns niessen lässt und es heisst sogar, der Holunder könne Pollenallergien auslösen. Dabei ist Holunderblütentee eines der besten Mittel, Pollenallergiekern Linderung zu verschaffen.  Der hellgelbe und schwer süßlich duftende Pollenstaub klebt beim Berühren an unserer Kleidung, unserer Haut; fast wie das Gold, mit dem Goldmarie, nachdem sie das Reich der Frau Holle verlassen hatte (also wiedergeboren wurde) und behaftet sie somit mit einem guten Karma. An dem Staub wie an dem Namen Goldmarie ist eindeutig die Signatur der Sonne, dem Allesvater und Lebensbegründer und -bewahrer, zu erkennen. Die Sonne vermittelt uns Themen wie Energiefreisetzung, Gefühlsäußerung und Gleichmaß.

Später dann, im Herbst, wendet sich das Blatt wie auch die Richtung. Die schweren, fast schwarz-rot glänzenden Dolden, weisen uns hängend den Weg in die Tiefe, in das Hollenreich. Die Zeit ist reif, sich auf den Weg in die dunkle Jahreszeit vorzubereiten. Die Holunderbeeren liefern uns alles was wir brauchen, auch diese Zeit der tiefgreifenden inneren Transformation zu bestehen. Der Planet Mars ist in dem blutroten Saft, auch aber in den scharlachroten Stengeln deutlich zu erkennen. Mars befähigt uns zur spirituellen Erneuerung, wozu die dunkle Jahreszeit wie geschaffen ist und stärkt unsere Abwehr, die bevorstehende Kälte und Zeit des Mangels zu überstehen. Vielleicht wird in dem Märchen der Frau Holle Pechmarie mit Holundersaft übergossen (auch der ist schließlich nur schwer zu entfernen),  und damit ihr Karma neu behaftet und sie wird durch die Marsanalogie überhaupt erst wieder in die Lage versetzt, physisch kämpfen zu können; denn wenn wir uns erinnern, lag sie doch in der physischen Welt nur faul im Bett herum. 

Heute gibt es zahlreiche Kräuter- und Rezeptbücher, in denen wiedergekäuertes Wissen auch über den Holunder vermittelt werden soll. Doch die tiefgründigen Erfahrungen, die man mit dieser (für mich besonders) heiligen Pflanze machen kann, sind so individuell wie die Erscheinungsformen des Baumes selbst. Auf alten Höfen, Bauernhäusern, Ställen und Scheunen wird man immer wieder Holunder wachsen sehen. Er sucht die Nähe des Menschen, bewahrt ihn vor den dunklen Mächten, bietet seinen Schutz förmlich an und nur wenige von uns können aus diesem Verhalten die richtigen Schlussfolgerungen ziehen. Alles was wir brauchen, kommt auf uns zu, begegnet uns, erscheint uns und offenbart sich. Wir erkennen die Botschaften unserer Umwelt kaum noch oder gar nicht mehr, wir hetzen an Allem und an uns selbst vorbei (so ähnlich formulierte es auch Zarathustra: „An dir musst du vorbei, und an deinen sieben Teufeln...“). Halten Sie einmal an einem Holunder inne, setzen Sie sich zu seinen Wurzeln, lehnen Sie sich an seinen Stamm, atmen Sie seinen Duft, betrachten Sie ihn eine Weile und schliessen Sie dann die Augen. Erst werden Sie sich wundern, dass nichts passiert. Doch dann werden Sie wach und stellen fest zwei oder gar drei Stunden geschlafen zu haben und dieser Schlaf war von lebhaften Träumen regelrecht durchtränkt (Versprochen!).

Und Eines noch; grüßen Sie ihn, wenn Sie ihm.., oder besser..., wenn er ihnen begegnet!

 

Pfaffenhütchen/Spindelbaum  (Euonymus europaea)

"Von seinen Zweigen wünscht das Mächen im Brautkranze; Früchte hoffen Jünglinge."

Man könnte glauben, dass das Pfaffenhütchen all seinen Saft und sämtliche Kräfte über das Jahr hinweg sammelt, nur um im Herbst in einem Farbenkleid zu erleuchten, dass die meisten Sträucher und Gehölze vor Neid erblassen lassen soll. Kaum das dieser Strauch mit seinem durchschnittlich grünen Kleid und der silbrig-bräunlichen Borke uns im Frühjahr oder Sommer auffallen, oder sich gar von umgebenden Gewächs abheben würde, attackiert er in Spätsommer und Frühherbst mit einem wahren Feuerwerk die herbstliche Farbpalette. Um seine Blüten in Mai und Juni überhaupt entdecken zu können, muss man schon sehr genau hinschauen.

Im September und Oktober öffnen sich die Früchte mit vier purpurrosa bis karminroten Klappen, als wollten sie abheben, um zu ihrem Heimatplaneten zurück zu kehren. Sehr interessant ist ein Schnitt durch den noch weichen Samen. In dem orangefarbenen Samenmantel (Arillus) liegt der gelb-grünliche Embryo, umhüllt von weißem Mark. Ein Anblick, der sowohl in Humanmedizin wie auch in Science-Fiction-Filmen Analogien findet.

Grundsätzlich ist das Pfaffenhütchen – trotz seines niedlichen Namens – in all seinen Teilen giftig, besonders die Samen. Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sind nur die noch erträglicheren Symptome. Kreislaufkollaps, Leberschwellung und Nierenschädigungen sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein Überdosierung auch zum Tod führen kann. Für gewöhnlich sagt man, dass alles, was eine Pflanze bewirkt, auch von ihr geheilt werden kann. Dies mag auch für viele uns als Giftpflanzen bekannte Gattungen zutreffen. Denken wir an den Aronstab, die Herbstzeitlose, das Bilsenkraut, die Tollkirsche, das Maiglöckchen, den weißen Germer, den Fingerhut und viele andere in der Homöopathie verwendete Pflanzen. Doch konnte ich nach langem Stöbern und Suchen nichts finden, was die Wirkung des Pfaffenhütchens in einem besseren Licht erscheinen lässt. Einzig nur, dass das Holz des Pfaffenhütchens früher zum Drechseln, zur Zeichenkohleherstellung und als Putzholz für Uhrmacher Verwendung fand.

Nichts Bestehendes ist ohne Sinn. Und wenn sich dieser allein darin findet, dass im Spätsommer so aufflammende, sich von Allem abhebende und verlockend leuchtende Pfaffenhütchen unsere Herzen, Augen und Sinne erfreuen soll, so hat sich sein Sinn für uns allein darin ausreichend erschöpft.

Für Rotkehlchen, Wacholder- und Misteldrosseln jedoch ist der fleischige Arillus des Samen ein willkommener Genuss. 

 

Wilder Apfel (Malus sylvestris)

Das ist wohl die letzte Liebe, den anderen nähren zu wollen mit dem, was man ist."

Für unsere Vorfahren, die Kelten, war der Apfel – auch wenn sie die kultivierten Sorten noch nicht kannten – die wichtigste Frucht, die sie über den Winter trug. Nördlich der Alpen war der Apfel die Speise der düsteren, der toten Jahreszeit, der sie gesund erhielt und zugleich als Totenspeise geeignet war. Noch immer ist der Apfel nicht nur eine der vollkommensten Früchte, sondern auch eines der gesündesten Nahrungsmittel, die wir haben.

Der Apfel symbolisiert in prallen Farben die untergehende Sonne und somit den Gang in die Tiefe, die Welt der Elfen, Ahnen und Götter. Avalon, das Apfelland, war die keltische Bezeichnung dafür. 

Er ist in der keltischen Mythologie Symbol für Vollendung und Weisheit; die Frucht der Unsterblichkeit und nicht das Symbol der Sünde. Die Parole der Kirche: „Malum ex malo“ (alles Unheil kommt vom Apfel), war für die keltischen Neubegehrten nicht leicht zu verstehen, da die Äpfel in der keltischen Mythologie ewige Jugend und Glückseligkeit verheißen. Und nicht nur dass: keltische Druiden konnten aus der Anordnung der Kerne eines horizontal durchschnittenen Apfels, die ein Pentagramm bilden, die Zukunft vorhersehen. 

Ein geheimnisvoller Besucher, mit purpurrotem Mantel und goldbesticktem Rock bekleidet, brachte dem großen König Irlands, Cormac, einen Apfelzweig aus Silber mit drei goldenen Äpfeln aus der Anderswelt. Liebliche Musik, die Kranke, schwer Verletzte und Wöchnerinnen einschläfern konnte, ging von dem Apfelzweig aus, wenn man ihn schüttelte. König Cormac wollte wissen, woher der Fremde kommt. Dieser antwortete: „Aus einem Land, in dem es nur Wahrheit gibt und wo weder Alter, Verfall noch Hass oder Bosheit herrschen.“ 

In neuerer Zeit war der Reichsapfel der Garant des Wohlstandes seines Volkes. 

Heute kennen wir fast ausschließlich handelsgerechte Formen und Sorten aus dem Supermarkt. Fast alle der ursprünglich in Nordeuropa vorkommenden 4.000 Apfelsorten sind vergessen, ausgestorben und werden aufgrund ästhetischer Ansprüche der Standardisierungshysterie nicht mehr kultiviert. Ein hohes Maß an Farb-, Form- und Geschmacksvielfalt ist verloren gegangen. Zudem ist der Apfel – und hier findet sich eine besondere Form der Schizophrenie – zu einem der am meisten mit Pflanzenschutzmitteln traktiertem  ( einheimischen ) Nahrungsmittel verkommen.

„An apple a day, keeps the doctor away!“.  Dieser Sinnspruch hat nur noch bedingt Gültigkeit. Der Apfel kräftigt unser Immunsystem, Herz und Kreislauf, stabilisiert den Blutzuckerspiegel, kräftigt die Gefäße, reinigt den Darm, beruhigt den Magen, bindet schlechte Säfte und überschüssige Säuren und kräftigt das Zahnfleisch. Erwähnenswert ist sein hoher Pektinanteil, ein Faser-, bzw. Ballaststoff, der den Blutfettspiegel senkt und Giftstoffe im Darm bindet. Bestimmte Fruchtsäuren im Apfel hemmen schädliche Fermentbildung und Bakterienansiedelung im Darm. Leider jedoch finden sich heute auf der Schale eines Apfels mehr Pestizide, als wir überhaupt vermuten. Bis zu 32 Mal pro Jahr spritzt der konventionelle Apfelbauer gegen Pilze, Insekten und Unkräuter. Die hinzu kommende Paraffinschicht auf der Schale, die an sich nur verkaufsfördernd wirken soll, lässt uns keine andere Wahl, als einen Apfel nur noch geschält zu verzehren. 

 

 

Waldstorchenschnabel ( Geranium sylvaticum )

"Du segnest herrlich das frische Feld, im Blütendampfe die volle Welt!"

Eine zarte, blau-violette Woge gleitet von Mai bis hinein in den September über unsere Wiesen. Wir finden ihn fast überall in vielen verschiedenen Formen. Als blutroten Storchenschnabel, als schlitzblättrigen-, stinkenden, Pyrenäen-, Sumpf-, Wald- und Wiesenstorchenschnabel. Letzterer gilt als Zeiger für gutes, nährstoffreiches Wiesenland. Auch in Gärten, Parks und städtischen Rabatten hat er in vielen, gezüchteten Formen Einzug gefunden – allerdings, wenn er erst einmal vorhanden ist, breitet er sich auch sehr stark aus.

Die Vielfältigkeit der Storchenschnabel-Arten und deren Widerstandsfähigkeit haben Gartenbauer und Pflanzenzüchter zu einem wahren Meer an Geraniensorten inspiriert.

Betrachtet man den Storchenschnabel genau, wird sich die Namensherkunft auch eröffnen. Die Spaltfrüchte zerfallen in fünf Fruchtfächer, von denen jeder einen durch den Griffel schnabelartig verlängerten Fortsatz hat. Die Fruchtfächer lösen sich ruckartig von der Mittelsäule und schleudern die Samen heraus. Dieser Schleudermechanismus verbreitet die Samen bis zu zwei Meter weit. Dieser Schnabelfortsatz ist für alle Gattungen typisch.

In der Volksheilkunde findet die Pflanze durchaus Verwendung. Alle Teile von ihr werden benötigt wenn es darum geht, Brechdurchfall, Durchfall, Darmkatarrh und Hämorrhoiden zu bekämpfen. Äußerlich verwendet man Storchenschnabel zu Auflagen bei Geschwüren und Wunden.

Da Storchenschnabel sogenannten „guten Schleim“ zu bilden vermag, eignet er sich auch bei Heiserkeit, Schluckbeschwerden und Entzündungen der oberen Atemwege. 

Seine Fähigkeit schleimbildend zu wirken, verrät die astrologische Signatur des Mondes, der für Energieaufnahme zuständig ist. 

Doch stecken auch die Qualitäten des Planeten Jupiter in der Pflanze. Sein Prinzip steht für Ausdehnung und Assimilierung, was man an der Wachstumsfreude und der Vorliebe für stickstoffreiche Böden sehr gut erkennen kann. Dies gilt auch für Pflanzen wie die Knoblauchsrauke, die Brennnessel, das Schöllkraut, den Löwenzahn, das Scharbockskraut oder auch die Goldrute. Hier zeigen sich Qualitäten wieder, die Anreicherung, Wachstum, Wohlbefinden und Neubeginn bedeuten.

Die Pflanze fördert jedoch auch unsere Kreativität, unsere Fähigkeit zur Selbstverwirklichung und kann uns zu Durchbruch und unerwartetem Glück verhelfen.     

Christrose (Helleborus niger)

"Von scharfen Lüften gekitzelt, wie von schäumenden Weinen, niest meine Seele - niest und jubelt sich zu: Gesundheit!"

Sagen und Legenden ranken sich um die Pflanze, die bei uns im Winter so herrlich blüht. So soll die Blume ein von der germanischen Göttin Freja verzaubertes Mädchen sein, das von seiner bösen Tante im Winter bei Nacht und Kälte hinaus gejagt wurde. 

In der Antike wurde ein Wurzelabsud der schwarzen Nieswurz in Wein gegen Geisteskrankheiten eingesetzt. Herakles selbst soll von einem Wahnsinnsanfall so geheilt worden sein. In Rom sagte man: „Helleborus opus habet!“ (Er braucht Nieswurz) von einem geistig nicht ganz normalen Menschen.

Fürwahr, zur Wintersonnenwende, und wenn es nicht zu kalt ist, die Sonne an ihrem Tiefpunkt angelangt ist, öffnen sich zögerlich die Blüten der Nieswurz. Rosa angehauchte, leicht grünlich-weiße Blütenblätter und ein honigsüßer Duft locken die noch wenig vorhandenen Insekten an. Sie ist, trotz ihrer Giftigkeit (wie viele Pflanzen, die sich gegen den Sonnenrhythmus auflehnen), eine der wichtigsten Heil- und Initiationspflanzen. Heilmittel oder Gift ist, wie bekannt, von der Dosis abhängig. 

Paracelsus bereitete aus den getrockneten Blättern der Nieswurz ein „Elixier zum langen Leben“, das seinerzeit sehr beliebt war. Mancherorts hieß es, dass es genüge die schwarze Nieswurz bei sich zu tragen, um ein hohes Alter zu erreichen.Beim Menschen konnte der „Schelm“, der Krankheitsgeist, der sich im Körper versteckt, mit der Nieswurz ausgetrieben – herausgeschwitzt, herausgebrochen, abgeführt, herausgenießt – werden. Neben den Kelten erkannten die Völker des Mittelmeerraumes die reinigende Wirkung, sowohl um Krankheiten auszutreiben, aber auch nicht wohlgesonnene Astralwesen abzuwehren.

Im Mittelalter wurde Nieswurzpulver auch gegen Apoplex (Schlaganfall) angewendet. Wenn ein Patient niest, dann sei er die folgenden 24 Stunden vor einem weiteren Anfall sicher. Der Moment des Niesens (so auch Gähnen oder Rülpsen) war für die Kelten ein magischer Moment. Der Moment des Übergangs, des Sich-öffnens. Wer niest, ist nach keltischem Glauben der Gefahr ausgesetzt, von Feen verschleppt zu werden. Dieser Moment muss durch einen Segenspruch oder ein Machtwort wie z.B. „Gesundheit“, Gotthelf“, Helf dir Gott“ oder „Bless you“ geschützt werden.

Die schwarze Nieswurz, so Paracelsus, „…entfernt aus dem Leib, was nicht in ihm sein soll.“ Menstrualblut, Würmer, tote Leibesfrucht und Krankheitsstoffe. Die Wurzel hat die Macht, Gicht, Fallsucht (Epilepsie), den Schlag und Wassersucht zu vertreiben. 

Die kosmische Signatur der Nieswurz gehört dem Saturn. Er ist der langsamste sichtbare Planet, er hinkt als Greis hinterher, der kalte graue Winter entspricht ihm – die Zeit, in der die Nieswurz blüht. Saturn bringt Weisheit, Nüchternheit und Abgeklärtheit, aber auch Melancholie, Alterstarre, Gicht, Schwerhörigkeit und Verstopfung.

„Mehr Tugend und mehr Kraft ist in diesem Kraut“ schreibt Paracelsus, und fügt hinzu: „Ein Arzt, der diese Pflanze anzuwenden weiß, der hat Kunst genug!“

"Die Namenlose" aus dem Tiefurter Park ( Sine nomine )

Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide!"

An einem zunächst sehr kühlen, wässrig-vernebelten, dann aber gegen Mittag sonnendurchtränkten Oktobertag, streifte mich beim Schlendern entlang der munter plätschernden Ilm im Tiefurter Park dieser Zweig. Scheinbar war ihm meine Aufmerksamkeit wichtig. Diese schenkte ich dennoch einigen nervös über das Ufergestein hüpfenden und mit den Schwanzfedern aufgeregt wippenden Bachstelzen (die früher auch Ackermännchen genannt wurden). In diesem Moment aber zwängte sich die Sonne durch das zähe Nebelkleid, welches dem Tag bisher einen eher düsteren, traurigen Charakter verlieh.

Wie kleine, sich mutig zu Boden stürzen wollende Tautropfen wippten die goldig glänzenden Samenhülsen (oder –tropfen, -schoten, -samen?) erneut um meine Aufmerksamkeit vor mir her. Diesmal hatten sie auch Erfolg. Vom Sonnenstrahl berührt, schimmerten sie schüchtern, wippten durch herabfallende Tautropfen auf und ab. Die geduldig biegsamen Zweige hielten dem Treiben gelassen Stand.

Mich hat diese elegante Traurigkeit, diese belebende Abschlussphase eines Lebenszyklus fasziniert. Der Blick auf das Vergehende verspricht die Verlässlichkeit des Wiederkehrenden. Das ewige Lied. Bis heute weiß ich nicht, wer mir da begegnet ist, welcher Pflanzengeist mich angestupst, um meine Aufmerksamkeit gebuhlt haben soll. Ich kenne nicht den Namen, keinen Gott, keinen Mythos, kein Märchen. Nur die Bachstelzen, die genauso wippten. Und den Ort im Park. Die genaue Stelle. Ein Tag im Sommer würde wohl genügen, zur Not auch ein Bestimmungsbuch, und ich würde des botanischen Namens kundig sein. Doch soll es keine Eile haben. Manchmal genügt Kenntnis im Leben, und die Faszination geht dabei zu Grunde…

 

Lärche (Larix decidua) zwei Bilder, ein Zitat

"Zwei sind Schwestern, die eine verdankt der anderen das Leben, welche - gebärend die Mutter wird selbst vom Kinde geboren?"

Sie ist ein Kind der Sonne, was man am hohen Lichtbedarf und dem Wechsel der Farben des Nadelkleides durchaus erkennen kann. Die Besonderheit, dass sie als einziger einheimischer Nadelbaum ihre Nadeln im Herbst verliert, wurde im lateinischen Namen „decidua“ – abfallend – festgehalten. 

Nebel, Luftfeuchtigkeit und Nässe scheut sie, kommt sie doch mit 450 mm Jahresniederschlag sehr gut aus. Eine kurze, 2 – 3monatige Vegetationsperiode im Sommer im Hochgebirge genügt ihr zum Gedeihen. Dies erscheint auch als eindeutiges Sonnenindiz. Sonnenpflanzen erkennen wir an ihrem stolzen und aufrechten Wuchs sowie an majestätischer Größe, angenehmen und intensivem Duft. 

Ursprünglich kommt die Lärche in den Alpen und im östlichen Mittelgebirgsraum Europas vor, der Mensch hat aber ihr Vegetationsgebiet erweitert. Lärchen werden bis 40 Meter hoch (max. 54 Meter), also deutlich strebsam der Sonne entgegen. Sie erreichen ein Alter von bis zu 600 Jahren. Die prächtigen Urlärchen befinden sich im Ultental bei Meran in Südtirol.

Lärchen liefern das härteste und dauerhafteste Holz überhaupt, was schon die Römer zu schätzen wussten. Plinius behauptete, dass die Lärche durch Feuer keinen Schaden nehme, weder verbrenne noch verkohle. Die Wasserbeständigkeit des Holzes hingegen ist unumstritten. Für Wasserleitungen, Butterfässer, Melkeimer, Telegraphenmasten, Holzschindeln und im Schiffsbau findet ihr Holz Verwendung.

Harze von Nadelbäumen werden schon lange für Räucher- und Reinigungsrituale verwendet. Sie dienen aber auch als wertvolle Heilmittel. Das Holz der Lärche ist das harzreichste unter unseren Nadelbäumen. Ihr Harz wird auch „Lörtsch“ genannt. Auch kannte man es unter der Bezeichnung „Venetianische“, weil die Venediger am stärksten damit handelten. Dieses klare gelbbräunliche und honigdicke Harz mit erlesenem Geruch wurde bei Krankheiten der Lunge und der Haut in der Form angewendet, dass man kleine Harzkügelchen zerkaute. Heutige Lärchenharzsalben leisten auch bei Rheuma und Hexenschuss gute Dienste. Hierfür wird ein haselnussgroßes Stück Lärchenharz geschmolzen, mit zehn Esslöffeln Öl und 8g Bienenwachs verrührt und abgefüllt.

Lärchennadeln sind, im Gegensatz zu Fichten- und Tannennadeln, leicht giftig. Ein Absud aus  den Nadeln wurde auch als Abortivum eingesetzt. 

In den Alpen war die Lärche ein häufiger Haus- und Hofbaum. Besonders in Tirol war sie eng mit dem bäuerlichen Lebenskreis verknüpft. Die Lärche galt als Wohnsitz der guten Waldfrauen, unter deren Schutz besonders Mütter und Kinder standen. Die mit der Lärche verbundenen Baumfeen waren den Menschen immer wohlgesonnen, beschenkten sie reichlich und standen ihnen bei schweren Geburten zur Seite. 

Im Frühling und Sommer hebt sich das satte, fast lindgrün anmutende Blätterkleid der Lärche von seiner Umgebung deutlich ab. Im Herbst kann man das goldgelbe Leuchten der Lärche klar von allen anderen Nadelbäumen unterscheiden und den Baum so schon aus der Ferne gut bestimmen. Auch die Zapfen der Lärche, die mal völlig vereinsamt, oft aber eng aneinander geschmiegt paarweise oder zu Dritt auf den dünnen Zweigen verweilen, sind ein gutes Bestimmungsmerkmal.

Jedes Mal, wenn mir die tief herab hängenden Zweige mit ihren kleinen Zapfen an den Kopf stoßen, halte ich inne und betrachte die Harmonie, die Nähe und die Vertrautheit, mit der die Zapfen dicht an dicht nebeneinander verweilen. Was auch immer man daraus lesen oder erkennen möge – für mich steht die Lärche für Geduld, Zuversicht, Gleichgewicht und Gefühlsäußerung. 

 

Haselfrucht (Coryllus avellana)

"Denn wir sind nur die Schale und das Blatt. Der große Tod, den jeder in sich hat, das ist dir Frucht, um die sich alles dreht."

Knoblauch (Allium sativum)

"Mit seligen Nüstern atme ich wieder Berges-Freiheit! Erlöst ist endlich meine Nase vom Geruch alles Menschenwesens!"

Man mag ihn oder man mag ihn nicht; für ein „Dazwischen“ ist der Knoblauch nicht gedacht und er selbst würde es nicht mögen. Er ist eine Pflanze, die es nicht zulässt, die Diplomatie zu unterstützen. Er geht aus Ganze! 

Nosferatu und seine vampirischen Gebrüder verabscheuten ihn, bei den germanischen Völkern stand er in hohem Ansehen. In Ägypten kannte man ihn, die Römer schätzten ihn sehr, Hildegard von Bingen erwähnte ihn zumindest (scheinbar mochte sie den Knoblauch nicht, weil er, wie alle Laucharten ihrer Meinung nach, nah der fauligen Erde wuchsen), Hyroniemus Bock empfahl ihm denjenigen, in dessen Leib im Schlaf eine Schlange gekrochen ist.

Er wird gegen das „Irresein“  empfohlen, sollte er doch als apotropäisches Mittel gegen den Zauber wirken. Man hing ihn in Häusern und Ställen auf, trug ihn in Böhmen als Kette gegen den bösen Blick, in Schweden zur Hochzeit gegen die neidischen Elfen und in Schlesien um missgünstige Geister fernzuhalten. 

In welcher Form auch immer, ist er uns doch heute als großes Heilmittel bekannt. Man setzt ihn bei Gärungsprozessen im Darm ein, zur Senkung der Blutfettwerte, zur Vorbeugung von Arteriosklerose, seinen Saft äußerlich bei Pilzerkrankungen der Haut; er bremst Alterungsprozesse, verbessert die Konzentrationsfähigkeit hilft bei Bronchitis, Gelbsucht, Keuchhusten und stärkt Herz und Kreislauf. 

Auch die biologisch-dynamischen Gärtner schätzen ihn sehr, ist er doch im Allgemeinen ein guter Schutz gegen Schadinsekten, besonders gegen die Rosenblattlaus. Besonders gut gedeihen in seiner Nachbarschaft Rosengewächse und Lavendel. Letzterer gilt ja auch als eine Pflanze, die dem Erreichen eines gesunden und hohen Alters zuträglich ist. Alles was scharf schmeckt und intensiv riecht, ist gut für ein gesundes und langes Leben.

Die am meisten heraus ragende Planetensignatur ist die des Planeten Mars. Der Mars steht für Abwehr, Angriff, Aggression, Triebstruktur, tiefgreifende innere Transformation sowie spirituelle Erneuerung – Begriffe, die auf den Knoblauch wie zugeschnitten wirken. Aber auch die Eigenschaften des Planeten Saturn werden deutlich. Kontrolle (Dominanz), Abgrenzung, Struktur, Wiederkehr sind seine Schlagworte, die dem Knoblauch sympathisch sein dürften.

Aus der ländlichen wie auch aus der gehobenen Küche ist der Knoblauch kaum wegzudenken. Die Frage des Maßes wird durch den Geschmack des Einzelnen bestimmt. Trotzdem werden noch immer viele Fehler gemacht. Knoblauch sollte nie durch die Presse gezwängt oder gar mit dem Pürierstab malträtiert werden, da er dann, wie alle lauchartigen Gewächse, einen bitteren und sehr galligen Geschmack bekommt. Auch stumpfeMesserklingen mag er nicht. Bestenfalls sollte Knoblauch fein geschnitten und mit etwas Meersalz vermischt im Mörser verrieben  werden.

Die Ausdünstungen durch Haut und Mund nach dem Verzehr sind nur schwer zu unterdrücken. Frische Petersilie soll gekaut zwar Linderung verschaffen, doch müssen dies dann erhebliche Mengen sein. Man kann es nicht umgehen; es sei denn, alle essen ihn mit, denn er trägt auch zu einer besseren Gesichtsfarbe bei.

 

Haselblatt (Coryllus avellana)

Der Hasel ist eines unserer wichtigsten Heckengehölze. Die Hecke ist ein Ort des Übergangs. Hinter ihr begann das Reich der wilden Tiere, Gespenster, das der Waldunholde, Elfen und Gottheiten. Glaubt man den Kelten, schützt die Hecke, deren Teil immer der Hasel war und ist, vor chaotischen Kräften wie Gewitter, böser Zauber und Krankheiten.

Schläft man unter dem Hasel, werden demjenigen Zukunftstragende Träume geschenkt. Trägt man eine Haselgerte bei sich, hat der Wanderer gute Begegnungen, Schutz vor chaotischen Mächten und er kann – man höre und staune – Kräfte des Jenseits aufspüren, dirigieren oder herüberleiten (wir sollten hierbei an die Wünschelrute denken).

Bei Kinderlosigkeit wurde ein Haselzweig über das Bett der Eheleute gehängt, denn der Hasel hat mit sexueller Liebe und Fruchtbarkeit zu tun. Hier mag sich wohl der Grund finden, weshalb die mittlerweile heiliggesprochene Hildegard von Bingen nicht gut auf den Hasel zu sprechen ist: „Der Hasel ist ein Sinnbild der Wolllust, zu Heilzwecken taugt er kaum, es sei denn als Mittel gegen Impotenz!“ 

Trotzdem ist der Hasel ein kräftigendes und wertvolles Nahrungsmittel, denkt man an den Anteil biologisch hochwertiger Proteine und essenzieller Fettsäuren. 

Seit dem Neolithikum wurden Haselnüsse als Totenspeise (siehe Apfel, Weihnachten) den Gestorbenen in die Hand oder zwischen die Zähne gedrückt. Die Alemannen steckten Haselruten auf die Gräber ihrer Verstorbenen, genauso, wie es Aschenputtel auch tat.

Ein weiteres Geschenk der Hasel ist die Weisheit, die den gewöhnlichenMenschenverstand übersteigt. Sie macht diese Weisheit den Lebenden zugänglich, lässt sie die härtesten Nüsse – Lebensrätsel – knacken. Merkur oder auch Hermes, der kluge Schamanengott, ist derjenige, der ungestraft Grenzen überschreiten kann. Der Planet Merkur ist zugleich auch die astrologisch prägende Signatur der Hasel. Merkurpflanzen lieben sandige und überschaubare Standorte. Blühen können sie in allen Farben und ihre Samen wachsen in Schalen oder Schoten ( verborgene Gedanken), sie duften aromatisch herb und leicht süßlich. Das Prinzip des Merkur lässt sich mit den Worten Austausch, Bewegung, Geistesblitze, Genialität, scharfe Analysefähigkeit, Botschaft, Vermittlung und ausbreitende und ausstrahlende Energie beschreiben. Bewegung und Beweglichkeit sind wichtige Merkuranalogien. Dies gilt für unseren Bewegungsapparat, die Extremitäten und die Mimik genauso wie für das Nervensystem, das diese Bewegungen steuert und erst ermöglicht.

Es ist und bleibt der Gedanke, die Idee, dieses nicht greifbare kognitive Bündel, welches uns überhaupt ermöglicht, unser Leben planvoll zu gestalten, auszukleiden, ihm Form und Wandlung zu geben. Dafür steht die Hasel ganz besonders.

Vom bloßen Berühren des Hasel versprach sich das einfache Volk Heilung (der Gedanke allein ist schon ausschlaggebend genug). Der von Schlangen umwundene Stab des Götterboten ist aus Haselholz geschnitzt.

 

Beifuß (Artemisia vulgaris)

Man kann ihn wörtlich nehmen und soll ihn, so die Volksmythologie, dicht bei Fuße tragen, damit der Wanderer keine schweren und schmerzenden Füße bekommt.

Der Name „Artemis“ leitet sich von der Schutzgöttin der gebärenden Frauen ab. Als wahres Frauenmittel findet er sich in allen Kulturen; er beschleunigt die Geburt, fördert und erleichtert die Menstruation, behebt die Unfruchtbarkeit und treibt die Nachgeburt aus.

Der Beifuß ist eine ausgeprägte Saturnpflanze, verschwendet er doch keine Energie in üppiges Blütenwachstum, betörende Düfte und pralle Farben, sondern konzentriert und leitet seine Energien in die inneren Qualitäten. Sein ausgesprochen bitterer Geschmack regt unsere innersten und tief seit Urzeiten bestehenden Triebe an, wirkt er doch direkt auf unser „Reptilien-Gehirn“ ein. Beifuß geht ganz in die Tiefe. Allen saturnischen Pflanzen haben einen bitteren bis sauren und scharfen Geschmack ohne aufwendiges Blütenwachstum. Ihnen geht es um Abgrenzung, das Schaffen von Strukturen, der kosmischen Reinigung. In jedem System muss es eine Instanz geben, welche allgemeingültige Spielregeln festlegt, damit kein Chaos ausbricht. Saturn beschneidet den Entfaltungsspielraum der Zellen und Organe, um die bestmögliche Funktion des gesamten Organismus zu ermöglichen. Dies besonders auf der Ebene, seiner direkten Bestimmung zu folgen und nicht dem Facettenreichtum seiner eventuellen Möglichkeiten zu erliegen.

Auch als Schutzkraut findet der Beifuß breite Verwendung. Aus ihm geflochtene Kränze wurden zu Johanni in Stall, Haus und Hof aufgehängt, damit sich Böses fernhält. Gürtel oder Kränze aus ihm trug man beim Tanz um das Johannisfeuer und warf sie dann hinein. Alles Böse, schlechte Geister (heute sagt man wohl schlechte Energien), Unheil und Krankheit bringendes blieb an ihm und seiner Unausweichlichkeit haften und wurde dann verbrannt.

Schon in vorchristlicher Zeit wurde er als Räucherkraut benutzt. Die nordamerikanischen Ureinwohner, die Kelten, die Chinesen und auch die Ureinwohner Tasmaniens kannten ihn und verwendeten das Kraut vornehmlich als Schutzkraut gegen Zauber und Unheil und zum vertreiben böser Geister.

Plinius schreibt, dass, wer Beifuß bei sich trägt, dem weder Gifte noch wilde Tiere schaden können.

Nach mittelalterlichem Glauben konnte man den unter dem Haselstrauch lebenden Haselwurm (auch bekannt als weiße Schlange, die als Symbol für unser Reptilienhirnnebst Rückenmark gedeutet wird) fangen, wenn man ihn mit dem Staub von zerriebenem Beifuß bestreute und beruhigend auf ihn einsprach. Aß man das Fleisch des Haselwurms, so konnte man die Sprache der Tiere verstehen und erhielt Macht über die Geister. Demjenigen bleiben dann die Signaturen und Wirkungen der Kräuter kein Geheimnis mehr.

Beifuß hat uns auf unserem Weg des Menschwerdens immer schon begleitet, unsere Vorfahren haben ihn immer geschätzt, verehrt und dankbar genutzt. Auch erinnert er (oder Saturn?) uns immer wieder daran, woher wir tatsächlich kommen und wohin es mit uns gehen soll.

Vielleicht sollten wir wieder mehr darauf achten, welche Pflanzen sich uns regelrecht aufdrängen, welche die Ränder unserer Wege säumen, still auf sich aufmerksam machen, sich still und selbstlos anbieten. Nicht nur unser Dank sollte diesen Pflanzen gewiss sein, sondern auch unser Respekt! 

 

Lichtnelke (Silene dionica)

Sauerampfer (Rumex acetosa)

Alle Kinder lernen die saure Köstlichkeit schon recht früh kennen. Unter all den verschiedenen Frühlingskräutern ist der Sauerampfer wohl das bis heute bekannteste. Begleitet von Waldsauerklee, Scharbockskraut, Gundermann, Brennnessel, Löwenzahn und anderen ist er ein fester Bestandteil der grünen Neune – der keltisch-germanischen Kultspeise, die den Körper von den Wirkungen und Ermangelungen des Winters befreite und mit dem erwachenden Lebensgeist des neuen Jahres verband. 

Ägypter, Griechen und Römer verwendeten den Sauerampfer als Ausgleich zu fettreichen Speisen, bewirkt doch die Geschmacksausrichtung „Sauer“ ein zusammenziehen der Säfte. Roh oder gekocht kann Sauerampfer gegessen werden. Zu reichlicher, alleiniger Genuss aber kann zu einer Oxalatvergiftung führen, was dem Entstehen von Nieren- oder Blasensteinen förderlich ist. Doch auch hier gilt, das natürliche Geschmacksempfinden nicht zu überstrapazieren. Da Sauerampfer stickstoffreiche Böden liebt, sollte man darauf achten, dass er nicht von überdüngten Wiesen stammt. Zudem ist er ein guter Säurezeiger und meidet Kalkböden. 

Wild wachsende, schwer zu kontrollierende Unkräuter gelten oft als Bild blinder, niedriger Gedanken, die radikal ausgerottet werden müssen. Ein amerikanisches Standardwerk schreibt: „Sauerampfer ist ein Kommunist! Er hisst seine rote Flagge, wo immer er eindringt, und er dringt überall ein, wo die demokratischen Gräser mit schwierigen Umständen zu kämpfen haben. Obwohl er klein ist, kriechen seine schlangenartigen Wurzeln durch die Graswurzeln und lassen neue ROTE hier und da spriessen!“ Die Wirrungen des kalten Krieges und die Angst vor dem Feind aus der Ferne haben also eine Art der phytopolitischen Kreativität  geboren. 

Tatsächlich findet sich im  Sauerampfer unter anderem die Signatur des Planeten Mars. Marskräuter sind rötlich, haben spitze und scharfzackige Blätter, geradlinig strukturierte und stabile Halme. Hätte man damals diese Eigenschaft schon gekannt, wäre wohl ein völlig neues Feindbild entstanden.

Sauerampfer wirkt, wie fast alle Frühlingskräuter, blutreinigend und entschlackend. Sein Oxalsäureanteil macht ihn zu einem guten Fleckentferner. Ob in Kombination mit Spinat, Portulak oder als Salatzutat, zu kalten Eierspeisen oder Omeletts, zu Fischgerichten oder als wichtige Zutat in der berühmten Frankfurter grünen Sauce – Sauerampfer kann vielen Gerichten eine sehr besondere Note verleihen, die kaum ein anderes Kraut zu geben im Stande ist. 

 

Seidelbast (Daphne mezereum)

Einsamer, du gehst den Weg zu dir selber! Und an dir selber geht dein Weg vorbei, und an deinen sieben Teufeln."

Von ihm stammt einer der ersten verführerischen und äußerst starken Düften, der uns im noch jungen Frühjahr den Weg durch lichtes Unterholz führen lässt. Die kleinen Sträucher werden meist zuerst mit der Nase gefunden – nicht selten schon aus zehn bis zwanzig Metern Entfernung. 

Die Freude jedoch, ihn gefunden zu haben, wird von der Gewissheit getrübt, dass alle Teile von ihm giftig sind; besonders seine roten Scheinfrüchte. Zehn bis zwölf Stück von ihnen sollen tödlich giftig sein. 

Beim Zerreiben der Zweige und Früchte werden übel riechende und giftige Stoffe ausgeschieden. Die alleinige Berührung der Pflanze oder des Blatt- und Fruchtsaftes führt zu Hautentzündungen und Muskelkonvulsionen (Muskelzucken) und bei schweren Fällen eine allgemeine Vergiftung des Organismus. Der Verzehr von zehn Beeren kann für Kinder tödlich enden. Diese schwere toxische Wirkung erschwert dem Seidelbast den Einzug in die Heilkunde. Wenn, dann darf er nur in homöopathischer Verdünnung Anwendung finden. Ab der Potenzierung D4 hilft er gegen Hautprobleme, Ekzeme, Gürtelrose, verschiedene Herpesarten und nässende Ausschläge. Auch gegen Kopfschmerz und Verstopfung kann er eingesetzt werden. 

Der Beiname „mezereum“ stammt aus dem Arabischen (Mazerium = Töten) und charakterisiert die Giftigkeit des Strauches. In Erinnerung an die liebliche Nymphe Daphne, die Tochter des Flußgottes Peneus, die laut griechischer Mythologie in einen Lorbeerkranz verwandelt wurde, trägt der Seidelbast in der Botanik den Gattungsnamen „Daphne“. 

Karl Heinrich Waggerl schreibt im heiteren Herbarium: 

 

„Wie lieblich duftet uns im März

der Seidelbast! Doch innerwärts

ist er voll Gift und Galle!

Weil wir, in diesem Falle, 

das Wunder nur beschauen sollen, 

(Man muss nicht alles kauen wollen !)“

 

Im Seidelbast finden wir, neben der kosmischen Vereinigung von Sonne und Mond, die planetarische Dominanz des Mars. 

Die Heftigkeit der Abwehrreaktion und die Schmerzhaftigkeit der Entzündung durch kurze Berührung zeigt deutlich die Marsanalogie im Seidelbast. Mars versetzt uns erst in die Lage, physisch kämpfen zu können – und auch zu müssen.

Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris)

Ab dem Monat April versinken feuchte Wiesen regelrecht unter einem sattgelb glänzenden Schleier – den Blüten des Hahnenfußes. Bis etwa über einen Meter recken sich die Halme in die Höhe und krönen den gerade zaghaft angebrochenen Frühling. Als Kinder haben wir etliche Sträuße für unsere Mütter gepflückt, in der Annahme, es wären Butterblumen. Der Volksmund lässt mancherorts diesen Namen auch zu, meint aber, um es genau zu nehmen, die Sumpfdotterblume, die jedoch auch zu den Hahnenfußgewächsen zählt.

Alle Hahnefußgewächse (brennender Hahnenfuß, Knollenhahnenfuß, scharfer Hahnenfuß, Sumpfdotterblume, Rittersporn, Leberblümchen u.v.m.) zählen für Menschen als grundsätzlich giftig. Die Symptome finden Ausdruck in Entzündung der Speiseröhre, Sodbrennen und Magenschmerzen, Überfunktion der Bauchspeicheldrüse, Erbrechen, Durchfall, Zittern, Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems, beschleunigtem Atmen und der Störung der Herztätigkeit. In besonders schweren Fällen kann der Tod eintreten, doch um diese Dosis zu erreichen, bedarf es eines völligen Ausschaltens des natürlichen Geschmacksempfindens. Zu solch hohem Verzehr ist es früher jedoch gekommen, da die Blätter des Hahnenfußes als Abführmittel verwendet wurden. 

Durch Trocknen und kochen zerfallen die Gifte und das Kraut verliert seine Toxidität. Die Volksmedizin setzt Hahnenfuß bei Kopfschmerzen, Neuralgien, Rheuma und Podagra (Gichtanfall im Großzehengrundgelenk) ein. Die Pflanzenteile wurden in verarbeiteten Zustand auf eiternde und schwer heilende Wunden sowie bei Hauttuberkulose aufgetragen. Das Protoanemonin stimuliert in geringen Dosen die Funktion des Nervensystems und erhöht das Hämoglobin der roten Blutkörperchen. Zudem hat es eine bakterien- und pilztötende Wirkung.

Maria Treben empfiehlt, den Hahnenfuß zu Asche zu verbrennen, diese zu verreiben und mit Wasser homöopathisch auf die achte Dezimalpotenz  D8  zu bringen. Dieses Präparat über die Äcker gesprüht, soll diese in wenigen Jahren Unkrautfrei machen.

Wie dem auch immer sei; erfreuen wir uns an dem im Wind sich wiegenden, buttergelben Teppich im Frühling und pflücken unseren Müttern einen Strauß „Butterblumen“!

Im Hahnenfuß finden sich die planetarischen Signaturen der Sonne (Mitte,Energiefreisetzung, Leben, Gefühlsäußerung, Gleichmaß), die des Jupiters (Ausdehnung, Anreicherung, Wachstum, Neubeginn, Erweiterung und Glück) und die des Mars (Abwehr, tiefgreifende Transformation, Platz für Neues, spirituelle Erneuerung).

 

Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica)

Die aufrecht über dem Wiesengras stehenden und von Weiten sichtbaren blauvioletten Blüten der sibirischen Schwertlilie können wir nur noch selten begegnen. Um sie trotz ihrer auffälligen Erscheinung zu finden, bedarf es längerer Suche. In der Nähe von verschwiegenen Sumpf- und Moorwiesen sowie im Überschwemmungsbereich von Bächen und Flüssen findet man sie gelegentlich. Voraussetzung für die Erhaltung dieser schönen Pflanzenart, ist eine einzige Mahd im Spätsommer mit Abtransport des Mähgutes. 

Weit verbreitet hingegen findet sich die Sumpf-Schwertlilie an stehenden wie an fließenden Gewässern, in Waldsümpfen, Ebenen und im Hügelland. Auch ihre satt-gelben und stolz aufrecht stehenden Blüten verkünden sich schon aus der Ferne.

Wir kennen mehrere Arten dieser Pflanze, meist wird aber – und nur noch selten – dieDeutsche Schwertlilie (Iris germanica) als Heilpflanze genutzt. Zu Heilzwecken gebraucht man die verwilderte Pflanze, die warme und sonnige Plätze bevorzugt. Hierbei verwendet man die mindestens 3jährige Wurzel innerlich bei Blasenkatarrhen, Entzündungen der Gallenblase, chronischen Husten, Blutkrankheiten, Schlaflosigkeit und bei Leberleiden, äußerlich zur Mundspülung gegen Mundgeruch. Hildegard von Bingen empfahl ihren Einsatz bei oberflächlichen Verletzungen der Haut.

Chinesen und nordamerikanische Ureinwohner verwendeten die Wurzeln frisch oder getrocknet, gewannen Stärke aus ihnen, bereiteten gekochtes oder auch gebackenes Gemüse zu und aßen sie auch roh. 

In der Lilie findet sich die astrologische Zuordnung der Sonne. Diese zeichnen sich durch meist gelbe, bisweilen aber auch rote Blüten aus, riechen sehr angenehm, haben oft ein majestätisches Erscheinungsbild und bevorzugen offene und sonnige Standorte. Aber auch die Qualität des Planeten Jupiter findet sich in der gelben und bläulichen Farbe, ihrem dominanten Wachstum und der Eigenschaft, stickstoffhaltige Böden zu bevorzugen. Jupiter wie auch die Sonne sind Gasriesen; sie stehen für Assimilierung, Ausdehnung, Anreicherung und Energiefreisetzung. Die Sonne steht für Vitalität schlechthin. Sie gibtAuskunft darüber, wie groß unser Lebenswille ist. An dem stolzen aufrechten Erscheinungsbild der Pflanze selbst lässt sich das allein schon ablesen. So wie die Sonne in jeder Hinsicht der Lebensmotor unseres Planetensystems ist, so ist das Herz der Motor unseres Körpers. Es sorgt für Zirkulation, Bewegung, Gefühlsäußerung und Leben.

Ganz ähnlich ist auch Jupiter. Auch er treibt das Leben an, sorgt für Ausdehnung, Wachstum, Wohlbefinden, Erweiterung, Selbstverwirklichung und Durchbruch. Oft wird er auch Glücksplanet genannt. Alle Krankheitsbilder, die dem Jupiterprinzip unterstehen, sind ein Hinweis auf den untauglichen Versuch, einen Mangel an persönlichem Glück und echter innerer Größe auszugleichen. Die organische Entsprechung vom Jupiter ist die Leber, aber auch die direkt über dem Herzen (Sonne) sitzende Thymusdrüse, die in Pubertät und Adoleszenz von größter Wichtigkeit ist.  

Sonne und Jupiter sorgen für unser Wohlbefinden, für unsere Gesundheit. Es bedarf gesunder Nahrung und der Fähigkeit, diese umzusetzen. Die Leber spielt hier eine entscheidende Rolle. Sie produziert Hormone (Endorphine), die für unser seelisches Wohlbefinden verantwortlich sind. Auch die Redensart: „Dir ist wohl eine Laus (Mars) über die Leber (Jupiter) gelaufen?“ zeigt, dass man um die Bedeutung der Leber schon länger weiß, als medizinisch nachgewiesen werden kann.

Nehmen wir uns ein Beispiel am stolzen und aufrichtigen Stand der Iris, achten auf die Botschaften der Pflanzen, der Natur, heben unseren Blick und schauen vertrauensvoll nach oben – in die Sterne!

 

Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)

Seit viele Gebüsch- und Wegränder durch Abfälle verschmutzt und durch Düngereintrag eutrophiert werden und zunehmend altes Gartenland brachfällt, können sich stickstoffliebende Pflanzen ungestört ausbreiten.

Die Knoblauchsrauke beherrscht mittlerweile ganze Wald- und Gebüschsäume zusammen mit Brennnessel, Klettenlabkraut und Giersch. Früher war sie als Salatpflanze in Bauerngärten durchaus vertreten. Ihr stark an Knoblauch erinnernder und bisweilen nussig-bitterlicher Geschmack, garantiert ihr auch heute einen festen Platz in meinen alljährlichen Sammelritualen. Am liebsten verarbeite ich sie zusammen mit Weizenkeimöl, Pecorino, gutem Salz, gewalztem Pfeffer und Nüssen (meist Haselnüsse) zu Pesto. Aber auch als Salatzutat, für Kräuter- und Kartoffelsuppen und zu Wildgerichten eignet sie sich hervorragend. Letztendlich passt sie zu allem, wo auch der Knoblauch hinein gehört, doch darf sie bei länger gegarten Gerichten keinesfalls viel Hitzeeinfluss erfahren, da ihr Geschmack sonst zu bitter und gallig werden kann. Bei gebratenen, geschmorten oder länger gekochten Gerichten sollte sie eine der abschließenden, vollendenden Zutaten sein.

Ähnlich wie Knoblauch, wirkt sie zunächst desinfizierend, versorgt uns mit reichlich Calcium, Magnesium und Vitamin C. Ihre Eigenschaft, bakterielle Infektionen, umweltbedingte Erkrankungen, Akne, Substanzverlust und Störungen des Kupferstoffwechsels beim Schopfe zu packen, verrät die Signatur der Venus. Sie steht für Ausgleich, Substanzbildung, Mütterlichkeit, die Verbindung von Geist und Materie. Fortuna major“ – das kleine Glück, dass ist der Auftrag der Venus. Ihr geht es um das sinnvolle Nutzen von Energien, sie angemessen im Körper zu verteilen und einzulagern. Primär entspricht die Venus den Nieren, die neben der Ausfilterung von Harnstoff auch das Säuren-Basen-Gleichgewicht und den pH-Wert der Körpersäfte zuständig sind. Wenn uns etwas an die Nieren geht, heißt das, dass wir in unangemessener Weise aus unserem psychosomatischen Gleichgewicht gebracht sind. Die Steuerung von Regelmechanismen hat viel mit unserer inneren und äußeren Welt zu tun. Anhand ihrer Ausdehnungsfreude erkennt man eine weitere Planetensignatur, nämlich die  Eigenschaften des Jupiter (wie Sie beim Storchenschnabel erfahren können).

Die Knoblauchsrauke hilft uns neben vielen anderen frischen, den Winter aus den steifen und frierenden Knochen treibenden Frühlingskräutern, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen. Bei einer zünftig-kräuterigen Frühjahrskur sollte sie nicht mehr fehlen. Selbst in die Gründonnerstagssuppe – die keltische grüne Neune – gewähre ich ihr Einzug, auch wenn sie vom Ursprung her nicht hinein gehörte. 

Scheinbar drängt sie sich uns dank ihres massenartigen Vorkommens genau dann auf, wenn unser Gleichgewicht – ob wir es nun zugeben wollen oder nicht – es benötigt. 

Viel Spaß beim Sammeln, kochen, essen, auftanken und ausgleichen.