Meine "Welt-Stücke" aus den Jahren 2015 bis 2019

Zypressenwolfsmilch (Euphorbia cyparissias)

Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus)

Küchenzwiebel (Allium cepa)

Rote Bete (Beta vulgaris) und Ringelbete (Tonda di Chioggia)

Neben all den positiven Wirkungen auf den Menschen, die wissenschaftlich nachgewiesen sind, heißt es im Volksmund, dass Schwache durch eine Mahlzeit mit der roten Rübe an Kraft gewönnen und Schüchterne plötzlich mutig würden. Tatsächlich entzieht die rote Bete in ihrem Eigensinn der Erde sehr viele Nährstoffe, vor allem jedoch Silizium. Sie bietet es in einer Kombination mit anderen Nährstoffen an, die einzigartig ist. Das Silizium aus der roten Bete kräftigt Bindegewebe und Haut, Gefäßwände und Knochen, fördert das Zellwachstum, sorgt für mehr Magensäure (zu wenig davon ist nämlich ein allgegenwärtiges Problem), aktiviert die Produktion roter Blutkörperchen und es entgiftet unser Gehirn von Metallen wie Aluminium (!!!). Das Glücksgefühle, Optimismus und Euphorie der Folsäure zu verdanken ist, die die Produktion von Adrenalin und Noradrenalin stimuliert, mag gut zu wissen sein, doch entzaubert das Zerlegen in Einzelbestandteile das Wesen einer jeden Pflanze. Je mehr wir geneigt sind, die Dinge zu zerlegen, desto weniger werden wir sie verstehen. Ob Folsäure in extrahierter und alleiniger Darreichungsform wohl genau so wirken mag? Oder sind es letztlich doch die Bildekräfte der Natur, der Erde, der kosmischen Zyklen, die uns wohl gesonnen sind?

Es gibt unzählig viel Literatur, die sich mit den Wirkspektren der einzelnen Inhaltsstoffe eines Gemüse befassen. „Jugend zum Nulltarif!“ heißt es da, „Vital- und Verjüngungskur“ oder „Wirkstoffbombe“. Sicher mag das auf sämtliche Kost zutreffen, sofern sie tatsächlich auch naturbelassen ist. Das Zerlegen, katalogisieren und kategorisieren der einzelnen Inhaltsstoffe verkompliziert unsere Ernährung oft unnötig und lässt das Wunder des Entstehens gänzlich außen vor. 

 

Wer selbst im eigenen Garten Gemüse anbaut, das Beet bestellt, mulcht, aussät, pikiert, pflanzt, jätet, hackt, gießt, pflegt, beobachtet und geduldig wartet und erntet, wird sich selbst als Teil dieses Werde-Prozesses erleben und seinen rote-Bete-Salat mit viel mehr Hingabe, Dankbarkeit und Genuss verzehren, als gekaufte eingelegte rote Bete aus dem Glas (obwohl konservierte Gemüse viel besser sind als ihr Ruf). 

Nicht immer gedeihen die Gemüse im Acker so wie der naturnahe Gärtner es sich wünscht. Die Jahreszeiten sind in ihrer Qualität nicht berechenbar, manche Lagen und Böden schwierig oder für das jeweilige Vorhaben wenig geeignet. Auch hierfür gibt es viele Regeln, Ratschläge und Hinweise. Ob wir nun nach dem Mond gärtnern, die Fruchtfolge auf Grundlage der Nährstoffbeanspruchung, der Elemente und Pflanzenorgane oder nach Pflanzenfamilien beachten, Regeln der Permakultur beachten, unser Saatgut selbst ziehen wollen - es gibt viele Möglichkeiten zum Erfolg zu gelangen. Eines jedoch verbindet sie alle; sich Zeit nehmen, beobachten, Schlüsse ziehen, wieder beobachten und so Jahr für Jahr neu dazu lernen. Jeder Garten lenkt seinen Gärtner, der am Ende stolz auf das ist, was er geschaffen haben mag. Doch sind es eben die nicht sichtbaren, die nur schwer wahrnehmbaren Kräfte, die uns in fürsorglicher Stille an die Hand nehmen und führen. 

 

Tom Robbins, US-amerikanischer Schriftsteller, beginnt in seinem Roman „Jitterbug Perfume“ mit folgenden Worten: „Bei unserer Geburt sind wir rotbäckig, rund, intensiv, rein. Das rote Feuer des universellen Bewusstseins brennt hell in uns. Allmählich jedoch werden wir von unseren Eltern verspeist, von Schulen geschluckt, von Freunden zerkaut, von gesellschaftlichen Institutionen aufgefressen, von schlechten Angewohnheiten verschlungen und vom Alter angenagt; und wenn wir (…) sorgfältig verdaut sind, bleibt uns nichts weiter als ein einziger abscheulicher Braunton. Die Lektion, die uns die rote Bete lehrt, ist also diese: Haltet fest an eurem göttlichen Erröten, an dem euch innewohnenden rosigen Zauber, andernfalls werdet ihr braun. Wenn ihr erst mal braun seid, werdet ihr feststellen, dass ihr eigentlich blau seid. So blau wie das Meer. Und ihr wisst, was das heißt: Meer. Weniger. Nichts.“

 

Wenn ich sage, dass die rote Bete Blut bildet, werde ich gern belächelt, weil der rote Farbstoff den Körper so wieder verlässt, wie er in ihn gelangt ist. Ähnliche Behauptungen finden sich bei den Griechen und Römern, bei Dioskurides, Galen oder Plinius. Mittlerweile wird rote-Bete-Saft tatsächlich als Begleittherapie bei vielen, auch gezielt bei ernsthaften Erkrankungen eingesetzt. Auch der volksmedizinische Rat an werdende Mütter, viel rote Bete zu essen, ist nicht abwegig. Auf jeden Fall sollte man die rote Bete der Supplementierung mit Folsäure bevorzugen. Es versteht sich jedoch von selbst, dass die Herkunft der roten Bete biologisch unbedenklich sein sollte, ohne Nitratdüngung und aus voller Sonnenlage. In meinem Garten wuchs die rote Bete beispielsweise in voller Sonnenlage und so gediehen prachtvolle Knollen zu erstaunlicher Größe heran. Der erdige Geschmack, vom Silizium herrührend, stört mich dabei keineswegs. Oft fühle ich mich nach dem Genuss wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geführt. Eine überbordende Astralität findet mit roter Bete wieder zu mehr Erdverbundenheit, sagt man. 

 

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird die rote Bete zunächst dem Erd-Element, also dem Milz-Magen-Prinzip zugeordnet, welches sich im Geschmack süß und einer neutralen Temperatur äußert. Alle roten Nahrungsmittel werden in der TCM der Blutbildung zugeordnet. Aus Sicht der TCM nährt die rote Bete das Blut und das YIN, wirkt absenkend und ausleitend, sowie überschüssige Feuchtigkeit auflösend und ableitend. Ein bitteres Prinzip wohnt ihr auch inne, was dem Herz-Dünndarm-Prinzip entspricht, denn ein Blut-YIN-Mangel hat immer ein aufsteigendes Leber-YANG zur Folge, was zu einer das Herz belastenden Hypertonie führen kann. Die dann im Herzen geringer werdende Energie wird durch den Dünndarm kompensiert (Herz-Dünndarm). Solche Systeme werden in der modernen Medizin gern weg ignoriert und es wird der Darm behandelt, das ursächliche Milz-Magen-Prinzip bleibt unerkannt. Auch erinnere ich mich an die Regel, dass die Leber die Blutgefäße und die Milz die Qualität des Blutes kontrolliert, wobei die rote Bete immer als eines der Schlüsselgemüse genannt wurde. Im indischen Ayurveda wie in der traditionellen europäischen Volksmedizin steht die rote Bete ebenfalls in einem sehr guten Ruf als Blut bildendes Mittel.  Prinzipiell liegen die europäische Volksmedizin, das Ayurveda und die TCM in Ernährungs- und medizinischen Fragen nicht weit auseinander, sie unterscheiden sich nur in ihrer Art der Aufteilung, die auf die unterschiedlichen klimatischen, heliochronologischen, vegetativen und kulturellen Unterschiede zurück zu führen sind. Die Naturbeobachtungen und Rückschlüsse als solche selbst sind überraschend identisch. 

 

Planetarisch wird die rote Bete mal dem Mars (aufgrund des roten Farbe), mal dem Saturn (mineralische Natur) zugeordnet. Gierig saugt sie Calcium, Magnesium, Eisen, Kupfer, Schwefel, Jod, Bor, Lithium, Strontium, Chlor, Rubidium und Caesium in sich auf. Dafür verschenkt sie wenig Energie in ihr Blütenwachstum, das als winzig, unscheinbar, farb- und geruchlos beschrieben werden kann, was eine deutlich saturnische Sprache spricht (siehe Beifuß oder Salomonsiegel). 

Saturn wird gern nachgesagt, unjugendlich bis jugendfeindlich, machtgierig und herrschsüchtig zu sein. Dies lässt sich bei der roten Bete als „Verjüngungs-Gemüse“ nicht behaupten. Auch ihr Verhalten im Gemüsebeet lässt nicht darauf schließen, dass sie die Macht ergreifen würde und ihr Umfeld beherrschen wolle, pflegt sie doch eine durchaus gutmütige Pflanzensoziologie. Dem saturnischen Charakter genügt scheinbar die rein mineralische Prägung. 

Auch eine deutliche Mars-Analogie kann ich, außer in dem blutroten Saft, nicht erkennen. Weder im Habitus der Pflanze selbst noch in ihrem Verhalten. Über die leberfreundliche Gesinnung der roten Bete und ihrer Wirkung, dass Bindegewebe zu stärken, findet sich auch Jupiter. Gegenüber ihm ist Saturn eher freundlich gestimmt, mit Mars kommt er nicht ganz so gut aus. Vielleicht sind es genau diese Kräfteverhältnisse, die es der roten Bete ermöglichen, genau so perfekt zu erscheinen, wie sie ist. 

 

Nun gibt es noch eine Unmenge an verführerischen Zubereitungsmöglichkeiten, in die ich mich als altgedienter Koch, Ausbilder, Dozent und Prüfer für diesen Beruf ausschweifend vertiefen könnte, wenn ich wollte. Eines habe ich nach vielem probieren und experimentieren gelernt; die Natur hat es im Grunde schon perfekt gemacht, und diese Perfektion zu bewahren, ist der Schlüssel der hohen Kochkunst. Wer aber etwas ausprobieren möchte, soll rote Bete mit Meerrettich und Preiselbeeren, gern auch in Verbindung mit Kürbis (übrigens auch Milz-Magen) versuchen. Ob als kaltes oder warmes Gericht, ist hier egal. Rote Bete verträgt sich auch sehr gut mit reichlich frisch gemahlenem Pfeffer oder frisch gestoßenem Kümmel oder gerösteten Fenchelsamen (ich sag ja, ganz einfach). Besonders empfehlenswert ist es jedoch, hauchdünne rohe Scheiben der roten Bete großzügig in gemahlenem Zimt zu wälzen, abzuklopfen und in Butterschmalz oder einem guten Öl zu braten oder zu frittieren. Sie werden beim Essen das Gefühl haben, neben einem Stapel frisch bei Regen geschlagenem Holz zu stehen und daran zu riechen. Diese Kombination eignet sich sehr gut zu kurzgebratenen Fisch- oder Wild- wie auch Wildgeflügelgerichten. 

Ginkgo (Ginkgo biloba)

"...siehst du nicht an meinen Augen, dass ich eins und doppelt bin?"

Der Ginkgo ist eine der ältesten lebenden Pflanzenarten, ihn gibt es seit 200 Millionen Jahren und er zählt zu den nacktsamigen Blütenpflanzen; nicht aber zu den Laub- oder Nadelgehölzen. „Ginkgobaum“ bedeutet so viel wie „Silberaprikose“, widerspricht aber den sprachlichen Verhältnissen seines Herkunftgebietes China und Japan. Dort, in Japan, wo Kaempfer dem Ginkgo 1690 zuerst begegnete, heißt dieser selbst „icho“. Seine pflaumenähnlichen, von gelbwerdendem, süßem Fleisch und einer harten Samenschale umgebenen Samen mit ölhaltigem, essbarem Kern werden dagegen „ginnán“ genannt. „Ginko“ selbst bedeutet Bank, Geldinstitut oder auch Silbermine. Der Weg des Namens eröffnet sich wohl aus dem chinesischen „ganguo“, was Frucht/Obst bedeutet. 

Ginkgos sind zweihäusig, es gibt also weibliche und männliche Bäume. Daher ist es notwendig, beide Geschlechter in entsprechender Nähe zu pflanzen, wenn man die Früchte ernten möchte. Im Bad Kreuznacher Kurpark steht ein Ginkgo-Paar, das regelmäßig im Herbst fruchtet. Die am Boden liegenden Früchte verbreiten wochenlang einen penetranten Gestank nach ranziger Butter. Die Geschlechtsidentifikation des Ginkgos ist selbst erfahrenen Gärtner und Baumschulen erst nach einigen Jahrzehnten möglich, wenn der Baum erstmalig blüht. In thüringischen und sächsischen Städten ist der Ginkgo weit verbreitet; zu empfehlen ist Ginkgo-Fans das Archiv zur Kulturgeschichte des Gingko in Jena.

Maßgeblich zur Popularität des Baumes trug Goethes Gedicht „Ginkgo biloba“ aus dem Jahre 1815 bei, welches er in einem Brief an Rosine Städel, schickte. Beigefügt waren diesem Brief einige Gingko-Blätter:

Dieses Baumes Blatt, der, von Osten meinem Garten anvertraut, gibt geheimen Sinn zu kosten, wie´s den Wissenden erbaut. Ist es ein lebendig Wesen, das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwei, die sich erlesen, dass man sie als eines kennt? Solche Fragen zu erwidern, fand ich wohl den rechten Sinn. Fühlst du nicht an meinen Lidern, dass ich eins und doppelt bin?

Seine fächerförmigen, oft zweilappigen und parallelnervigen Blättern ist viel zu entnehmen, was Goethe wohl auch zu seinem Gedicht inspirierte. In der ostasiatischen Heimat steht der Ginkgo für das duale Prinzip des Yin und Yang, des weiblichen und männlichen, der Freude und des Leids, der Stärke und der Schwäche. In der organischen Entsprechung kann man sowohl eine Zuordnung für das Herz, das Gehirn, die Lungen, aber auch für die Nieren aus den Blättern lesen. Aber er zählt in Japan auch als Schicksalsbaum - spätestens seit dem 6. August 1945 in Hiroshima. An diesem Tag explodierte nur 800m von einem Ginkgo entfernt die erste Atombombe und alles Leben im Umkreis von 2km wurde zerstört, 80.000 Menschen wurden sofort getötet, Tausende erlagen Strahlenschäden und Verbrennungen. Dieser Ginkgo jedoch - seine Rinde war verkohlt und der obere Stammteil verbrannt - trieb im folgenden Frühjahr neues Grün. Auch heute noch ist dieser Baum gezeichnet, aber er gedeiht, woraus ein unbedingter Lebenswille zu erkennen ist. 

Seine planetarische Zuordnung möchte ich anhand der eigenen Beobachtung zunächst dem Merkur zuordnen, der zudem der Sonne (Lebenswille) sehr nahe steht. Merkur unterstehen Grenzen und ihre Überschreitung, alles schnelle, sich verändernde. Er steht für Verständigung, Wissen, Denken, Geschick und Kommunikation; demnach für Austausch auf allen Ebenen, der wiederum von der Fähigkeit des Atmens abhängig ist. Übrigens zeigt sich auch in der Blattform und den parallel verlaufenden Blattnerven eine interessante Signatur, die an einen Trichter erinnert. Mit Ginkgo fällt das Eintrichtern mit Sicherheit leichter, was zu den Möglichkeiten der Veränderung, Verwandlung, Kreativität und letztlich auch zur Bewusstseins-Evolution führt. Diese Eigenschaften, welche dem Mysterienplaneten Uranus zugehörig sind, finden sich in unserem nervlichen und elektrischen Potenzialen wieder, der Hypophyse und dem Hypothalamus. Aber auch Jupiter, der, der klare Gedanken und einen Einblick in verborgenes Wissen ermöglicht, lässt sich aus dem Ginkgo heraus deutlich erkennen. Diese Beobachtungen erklären auf andere Weise, weshalb Gingkopräparate mittlerweile gegen früher nicht indizierte Leiden eingesetzt werden - zerebrale und periphere Durchblutungsstörungen! 

Bauernhortensie (Hydrangea macrophylla)

Erkennst du klar, dass sich alle Dinge verändern, dann wirst du an nichts festhalten wollen.

Der Name Hydrangea taucht erstmals 1739 in der Flora Virginica, einer Beschreibung der im nordamerikanischen Bundesstaat Virginia gedeihenden Gewächse, auf. Er leitet sich von den griechischen Begriffen Hydro = Wasser und angeion ab. Angeion beschreibt die krugförmige Blütenform der Hortensie.

Die vermutliche erste Hortensie in Europa wurde im Jahr 1736 von Peter Collison aus Amerika eingeführt. Etwa um das Jahr 1800 herum zierten die ersten Hortensien, kultiviert in großen Kübeln, die wundervoll angelegten Parks Pillnitz und Weesenstein in Sachsen.

Den Namen Hortensia/Hortensie vergab der Botaniker Commerson im Jahr 1771 der Legende nach zu Ehren einer Dame. Hierfür kommen Hortense Barré, Hortense Lepaute und Madame Hortense de Nassau, drei dem Pflanzenliebhaber nahestehende Frauen in Frage. All diese Erklärungen für die Namensgebung klingen sehr romantisch. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass der Name einfach von dem lateinischen Begriff „Hortus“ (Garten) abgeleitet wurde.

 

Bekannte Hortensien-Arten und ihre botanischen Namen sind beispielsweise Hydrangea mycrophylla (Gartenhortensie, Bauernhortensie), auch als Hydrogena hortensia Hydrangea hortensis bezeichnet; Hydrangea arborescens (Schneeball-Hortensie); Hydrangea quercifolia (Eichenblättrige Hortensie); Hydrangea anomala ssp. Petiolaris (Kletterhortensie); Hydrangea paniculata ssp. „Grandiflora“ (Rispen-Hortensie). 

 

Anderen Quellen zufolge stammt die Hortensie ursprünglich wohl aus Asien und wurde dort für die japanischen Herrscher gezüchtet, dem einfachen Volk aber blieb der Blick auf die Pflanze verwehrt. Auf den Azoren ist die Hortensie mittlerweile zu einem Markenzeichen geworden, ihre tatsächliche Herkunft aber bleibt ein Geheimnis.  

Deutlich jedoch ist an ihrem Wuchs, ihren Blättern, ihren Blüten und der Eigenschaft, die Triebe verholzen zu lassen zu sehen, dass eine unverkennbare Nähe zu den Hartriegelgewächsen besteht, die auf der ganzen Nordhalbkugel anzutreffen sind. Die meisten Cornus-Arten finden sich in Ostasien und im östlichen Nordamerika.

 

Doch gibt es zu den Hortensien noch mehr zu sagen. In der Blumensprache steht sie für: „Hast du mich wirklich schon vergessen?“  oder auch „Du bildest dir zu viel auf dich ein.“  „Hochachtung“ wird ihr angehangen, „Eitelkeit“ zudem und auch „Der Tod“ wenn sie weiß blühend ist. In der Literatur taucht sie auch auf, wenn man jemanden sagen möchte, wie man ihn oder sie immer wieder zu bewundern vermag oder auch, wenn jemand ein Wichtigtuer ist. 

Natürlich basieren diese Aussagen auf die jeweiligen Erfahrungen und Situationen. Zudem variiert die Botschaft auch durch den Form- und besonders Farbenreichtum und nicht zuletzt durch die unglaubliche Vielzahl gezüchteter Hortensien-Arten. Möchte man sich diesem Kosmos ein wenig erleben, empfehle ich gern das Buch: „Die verborgene Sprache der Blumen“ von Vanessa Diffenbaugh. 

Nur einer fällt mir noch ein, der, wie kein anderer, auszudrücken vermag, was er bei mehr als einer flüchtigen Beobachtung erlebt und empfindet. 

 

Rilke, RainerMaria (1875-1926)

Blaue Hortensie

 

So wie das letzte Grün in Farbentiegeln 

sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh, 

hinter den Blütendolden, die ein Blau 

nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.

Sie spiegeln es verweint und ungenau, 

als wollten sie es wiederum verlieren, 

und wie in alten blauen Briefpapieren 

ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;

Verwaschenes wie an einer Kinderschürze, 

Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht: 

wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.

Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen 

in einer von den Dolden, und man sieht 

ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.

 

Punktierter Gilbweiderich (Lysimachia punctata)

"Wenn der Mensch plant, lacht das Schicksal ihn aus."

 

Wir finden den punktierten Gilbweiderich oft in traditionellen Bauerngärten und nur noch selten an Wegen und Bahndämmen als Bestandteil der Wildvegetation. Seine ursprüngliche Heimat findet sich auf dem Balkan wieder.  Unter seinem Namen wurden vor ihm drei ganz verschiedene Pflanzen subsimiert; aufsteigende oder aufrechte Kräuter und Stauden mit aufsteigenden oder traubigen Blütenständen und weidenartigen Laubblättern. 

Aus hellenistischen Zeit soll ein Arzt namens Lysimachis von Kos eine pharmazeutische Wirkung erkannt haben, die sich auf das griechische „lysimachos“ bezieht und so viel wie „Kampf lösend“ und „Streit schlichtend“ bedeutet. 

Botanisch zählt der Gilbweiderich zu den Primelgewächsen. Die Art benötigt im Garten so gut wie keine Pflege, ist zäh, winterfest und hinsichtlich des Standorts bescheiden, bildet durch Ausläufer dichte Pflanzenbestände und ist während der Blüte ausgesprochen dekorativ. Den Punktierten Gilbweiderich könnte man als echte alte Gartenstaude bezeichnen, auch wenn er erst in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts sichtbar im Bewusstsein der finnischen Gärtner Einzug hielt.

Für die Verwendung von Gilbweiderich in der Heilkunst gibt es viele überlieferte Hinweise. Gilbweiderich enthält Vitamin C und konnte damit den früher in der Winterzeit entstandenen Vitaminmangel ausgleichen. Auch heute noch empfehlen Kräuterkundler, Gilbweiderich zur Bereicherung des Speisezettels im Frühjahr als Gemüse zuzubereiten. Dazu werden die jungen Triebe und Blätter der Pflanze, bevor sie zu blühen beginnt, gekocht oder gedünstet und geschmort. Aufgrund seiner adstringierenden Wirkung wird er zur Wundheilung, bei Hämorrhoiden, Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches empfohlen. Innerlich wird er als Tee oder als Tinktur in der Phytotherapie bei Husten, Nervosität, Schlaflosigkeit, Magen- und Darmproblemen und besonders bei Durchfall angewandt, da er hilft, eine gestörte Darmflora wieder aufzubauen.

Doch ist der oft auch Goldfelberich genannte Begleiter als Heilpflanze kaum bekannt und wenig beachtet. Vielmehr treffen wir auf ihn als beliebte, robuste, winterharte und pflegeleichte Staude, die selbst unter kargen Bedingungen prächtig gedeiht und der hier und da ein wenig Einhalt geboten werden muss. 

Bemerkenswert ist die Vitalität der Pflanze. Ihre Wurzelausläufer mäandern sich geschickt und strebsam knapp unter der Erdoberfläche voran, entfernen sich jedoch nicht weit von der Staude selbst und erobern so über die Jahre fast unbemerkt mehr und mehr Platz im Garten. Leicht sind die Wurzeln aus dem Boden zu nehmen, so als ob sie es erwarten würden und sich deshalb nicht sonderlich fest in der Erde verankern. Doch aus dem kleinsten liegen gebliebenen Wurzelrest sprießen bald neue, erst noch schüchterne Pflanzen. Heimlich jedoch, im Boden, breiten sie sich rasch aus, um im Folgejahr trotzig zu verkünden, dass man sie so einfach nicht loswerden würde. Wer sich gründlich, und weshalb auch immer, von dieser Pflanze trennen möchte, solle dies schon gründlich tun; so zumindest scheint die Botschaft zu lauten. 

Diese Eigenschaften des sich Ausdehnens, der opulenten Assimilation, des Durchbruchs (aus dem Boden heraus) und der Erweiterung sprechen eindeutig für eine jupiterische Signatur, die durch einen unaufdringlich süßen Duft betont wird. Dieser, der Sonne wohl ähnlichste Planet, steht für die Fähigkeit, aus aufgenommener Nahrung Kraft, Wohlbefinden und Gesundheit zu schöpfen. Hierbei bilden die Leber und der Dickdarm eine entscheidende Rolle. Ausdehnung ohne eine gesunde Grundlage führt zur Blähung - und in der Tat sind Flatulenzen und Meteorismus eindeutige Signifaktoren für unkontrollierte Ausdehnung. 

Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) und orangerotes Habichtskraut (Hieracium aurantiacum)

"Wer viel lernt, der verlernt alles heftige Begehren."

An einem herrlich sonnig warmen Tag im endenden Mai streifte ich durch die „Toten Täler“ nahe Naumburg an der Saale. Doch der Name verwirrt zuweilen, denn ich fand mich oberhalb der Täler auf einer Magerwiese mit beeindruckend farbiger und würzig duftender Vielfalt. Knabenkräuter, Kohlröschen, Waldvöglein, Stendelwurz, Fliegen- und Bienen-Ragwurz, Adonisröschen, Diptam, Silberdistel, Augentrost, Schwalbenwurz, dorniger Hauhechel, allerlei doldiges und orangerotes Habichtskraut, Dost, Feld-Thymian, Acker-Wachtelweizen und viele andere mehr. Auch die Zahl der Schmetterlinge, Insekten und besonders die Verschiedenheit der Grashüpfer erstaunte mich und zeugte von einem durchaus intakten und sich selbst überlassenen Areal. 

Wieder zurück in Jena stand in einem Wohngebiet mitten auf einer Spiel- und Wäscheplatzwiese, die sonst von emsigen und ordnungsaffigen Hausmeistern mit ihren knatternden Rasenmähern und -trimmern bis zu Wurzelgeflecht niedergemetzelt wird, eine einzige Bienen-Ragwurz in der Einöde der so begehrten monotonen Wohnlandschaft. Mir blieb nichts anderes übrig, als die Pflanze großzügig auszugraben und vor den wohl bald heran nahenden „Landschaftspflegern“ in Sicherheit zu bringen. So landete diese Bienen-Ragwurz für kurze Zeit auf meinem Tisch. Jetzt ruht ihre Knolle an einem trockenen, kalkreichen und sonnigen Platz im elterlichen Garten und ich bin gespannt auf ihr Erscheinen im kommenden Jahr.

Die Ragwurzen (Ophrys) werden zu den Orchideen (Orchidaceae) gezählt, unterscheiden sich aber hierdurch von ihnen, dass sie nur eine unterirdische Knolle besitzen, durch die sie die ungünstige Jahreszeit überstehen. Doch viel interessanter ist das, was über der Erdoberfläche geschieht. Die Bienen-Ragwurz ist eine Meisterin der Täuschung, des Betrugs, der Verlockung. Die Lippe einer Blüte stellt bei diesen Pflanzen eine Nachahmung eines weiblichen Insekts dar, in ihrem speziellen Fall das Hinterteil der weiblichen Hornbiene. Diese sind genau dann, wenn die Bienen-Ragwurz blüht, noch nicht flugbereit, wohl aber ihre paarungsbereiten männlichen Vertreter. Diesen Mangel hat die Bienen-Ragwurz erkannt und initiiert eine Pseudokopulation, indem sie die männlichen Insekten täuscht und so ihren Pollen übertragen lässt. Dieses „Lockmimikry“ ist bis ins feinste Detail ausgefeilt. Zunächst verströmt die Pflanze einen für uns nicht wahrnehmbaren olfaktorischen Reiz (Duft), der die männlichen Bienen betört und anlockt. Angekommen verfallen die Tiere dem visuellen Reiz der Blüte, der in Farbe und Form dem Hinterleib der weiblichen Biene entspricht. Doch selbst das genügt der Bienen-Ragwurz noch nicht - sie geht auf Nummer sicher. Sie setzt auf taktile Stimuli, auf Behaarung. Je nach Ausrichtung der Behaarung erkennt ein männliches Insekt nämlich, wo "vorn" und "hinten" bei einem Weibchen ist. Die Ausrichtung der Behaarung bei Ophrys-Blüten entscheidet daher darüber, ob der Bestäuber "kopf-voran" (Sektion Ophrys) oder "schwanz-voran" (Sektion Pseudophrys) mit den Blüten zu kopulieren versucht. Die Pollinien werden dementsprechend mit dem Kopf oder dem Hinterkörper (Abdomen) entnommen und transportiert. Die Konsequenz des Sexualtäuschungsmechanismus ist eine hohe Spezifität in der Bestäubung, weil Anlockung über Sexualduftstoffe immer sehr spezifisch erfolgt. So werden manche Ophrys-Arten nur von einer Insektenart bestäubt, andere haben wenige verschiedene Bestäuber. Die Bestäuber sind in den meisten Fällen Solitärbienen, z. B. der Gattungen Andrena, Eucera, Anthophora, etc.. Wenige Ophrys-Arten werden von Grabwespen (O. insectifera), Dolchwespen (O. speculum), Käfern, Fliegen (O. fuciflora), oder Pflanzenwespen (O. subinsectifera) bestäubt. Aus der hohen Spezifität resultiert eine starke Abhängigkeit der Pflanzen von ihren jeweiligen Bestäubern. Der Schutz der Orchideen sollte daher immer auch den Schutz der entsprechenden Bestäuberinsekten im Auge haben.

Ich kann mich noch an Zeiten entsinnen, in denen es völlig normal war, das Frauen (Mütter und Großmütter) vom Land beim Sonntagsspaziergang im Frühling Orchideen (besonders beliebt war der Frauenschuh) pflückten und diese in einer Vase auf den Kaffeetisch stellten. Heute ist dies, wie früher jedoch auch, strengstens verboten. Uns ist kaum bis überhaupt nicht bewusst und bekannt, dass viele Insekten von einzelnen Pflanzen und ebenso viele Pflanzen von einzelnen Insekten abhängig sind und deren Leben und Überleben sich gegenseitig bedingen. Diese Ausgefeiltheit und Verletzlichkeit von Ökosystemen wird durch die Ragwurzen auf ganz besonders geschickte Weise symbolisiert und aufgezeigt. Doch sind es auch jene Pflanzenwesen, die all zu gern als Unkräuter bezeichnet und wie „Übelwesen“ behandelt werden, welche sich genau so spezifiziert haben, wie Ragwurzen und Orchideen. Die uns durchaus bekannte und offensichtliche industriell-aggressive Form der Land- und Forstwirtschaft, aber auch unser eigenes gärtnerisches Wirken stört dieses fragile System auf ganz empfindliche Weise; und wir vergessen aus unserer Selbstherrlichkeit heraus ganz einfach nur, wie das Nachfrageverhalten eines jeden Einzelnen von uns dazu beiträgt, dass wir uns unserer eigene Lebensgrundlage entziehen oder, durch kluge Kaufentscheidungen genau das verhindern können.  

Blutroter Hartriegel ( Cornus sanguinea )

Ja, ich bin ein Träumer. Denn ein Träumer findet seinen Weg nur im Licht des Mondes und hat das harte Los, den Morgen heraufdämmern zu sehen, ehe die restliche Welt es tut.

Spätestens im Herbst, aber auch schon im Spätsommer, wird die Namensgebung „blutrot“ deutlich, auch wenn diese Bezeichnung als einer unter endlos vielen Trivialnamen katalogisiert wurde. Wir finden ihn natürlicherweise an lichten Standorten, in Hecken, Wäldern und als Teil von Gebüschen auf kalk- und nährstoffreichen Böden. Aufgrund der sonnenseitigen Rötung der Zweige und der prächtigen Färbung des Laubes zum Ende der Vegetationsperiode, ist der rote Hartriegel ein beliebtes Gehölz in Gärten und Parks geworden, obwohl er auf die Verbreitung durch den Menschen nicht angewiesen ist. An schattigen Stellen kann er sich auch ohne Blüten und Früchte problemlos vermehren, indem er lange und zum Boden hängende Triebe zügig wurzeln lässt. Seine ölhaltigen und zweisamigen Früchte werden gern von Singdrossel, Amsel, Wacholderdrossel, Rotkehlchen, Dorngrasmücke, Star, Elster, Blaumeise, Gimpel und Fasen gefressen, was den Bestand des Gehölzes zum einen sichert, aber auch eine wichtige Nahrungsgrundlage für einheimische Vogelarten darstellt. Zudem füllen Eichhörnchen und Mäuse mit den Beeren ihren Wintervorrat auf und sichern Bestand und Verbreitung zusätzlich. Seine Blüten gelten als regelrechte Bienenweide und daher müssen Hartriegel als fester Bestandteil in Naturgärten gelten. 

Lässt man den Hartriegel in seinem Wachstum gewähren, kann er zu einen stattlichen Strauch heranwachsen, eine baumförmige Gestalt annehmen und ein Alter von über 40 Jahren erreichen. Sein Holz ist extrem zäh, seine Wurzel gleicht einer in den Boden gerammten Faust, die sich weit und tief verästelt. Meiner Erfahrung nach eignen sich Hartriegel als Bepflanzung zur Hangbefestigung ganz besonders, da sie selbst lehmigen und tonigen Böden Halt geben und eine nachfolgende Sukzession ermöglichen. Auch an brüchigen Hängen aus Muschelkalk lässt sich das in kurzer Zeit sehr gut beobachten. 

 

Cornus steht sowohl für den alten Namen Korsikas als auch für „hartes Holz“, aus dem Lanzenschäfte gefertigt wurden. Laut Servius kann aber auch mit „cerasum“ die Vogel-Kirsche gemeint sein, da sich der Name des Gottes „Kirnis“, dem Beschützer der Kirschbäume (Kirnas = Kirsche), ableiten lässt. In beiden Fällen richtet sich das Augenmerk mehr auf die essbaren, roten Steinfrüchte als auf das harte Holz. Sanguinea leitet sich aus „Blut“, „von Blut fließend“ oder „mit Blut gefüllt“ ab, was sich in vielen Pflanzennamen aufgrund ihres Erscheinungsbildes wieder findet.

Das Holz des Hartriegels fand (und findet) in Flechtwerk oft Verwendung, die Früchte aufgrund ihres hohen Fettgehaltes gelegentlich in der Seifenherstellung oder als Schmiermittel für technische Zwecke. 

Entgegen der allgemeinen Auffassung sind die Früchte des Hartriegels auch für den Menschen essbar, wenngleich diese als nicht besonders genießbar gelten und bei Kindern hier und da Durchfall und Magenschmerzen auslösen können. Dennoch können sie für die Herstellung von Marmeladen und Fruchtsäften Verwendung finden, weshalb die britische Gesellschaft „Plants for a Future“ den Hartriegel in ihre Onlinedatenbank (https://pfaf.org/user/Plant.aspx?LatinName=Cornus+sanguinea) nützlicher und essbarer Pflanzen aufgenommen hat. 

 

Auch der Hartriegel ist in Hecken von Naturgärten, Parks und Waldsäumen ein wichtiger Bestandteil in vielerlei Hinsicht. Er bietet Vögeln und Kleintieren Schutz und Nahrung, Nist- und Baumaterial, hält den Boden an Ort und Stelle, bietet Unterschlupf und Wohnraum für Kleintiere, schafft Nischen für phytosoziale Heckenstrukturen, gründet so Artenreichtum, bietet Wildbienen und Insekten reichlich Nektar und wird seiner Stellung als vor Wind schützendes Heckengehölz durchaus gerecht. Nicht nur sein ästhetisches Erscheinungsbild sollte Grund genug sein, ihm in unseren Gärten Raum und Zeit zu einzuräumen. Dies wird besonders dann deutlich, wenn wir uns die Zeit nehmen und den Hartriegel im Verlaufe einer Vegetationsperiode beobachten und feststellen, für wie viele verschiedenen Wesen und deren Existenz - und letztlich auch für unser Dasein und unseren Fortbestand - er ein wichtiges Bindeglied bildet. 

 

Nun mag es mehrere Möglichkeiten geben, den blutroten Hartriegel in seinem Wirkspektrum als auch in seiner Signatur zu deuten. Vordergründig findet sich in seiner Färbung natürlich die Signatur des Mars, der zwar für Kampf und Krieg steht und somit für Auflösung, Reinigung und das Fortschaffen des Unbrauchbaren steht. In gewisser Hinsicht kann Mars auch als das männliche Gegenstück zur Venus betrachtet werden. Entgegen der traditionellen Sichtweise als „Malefizplanet“ steht Mars auch für eine ausgleichende und ergänzende Wirkung. Die Marsenergie kann uns weiterhelfen, uns mit dem nötigen Schub Energie zu versorgen, die man braucht, um ein Vorhaben zu beginnen oder voranzutreiben. Im Tarot trifft man auf Mars in Gestalt des Turmes; des einstürzenden Turmes. Altes wird zerstört und macht Platz für Neues; dies auch spirituell und führt zu tiefgreifender innerer Erneuerung, Selbsterkenntnis und Heilung. Eigenschaften wie Krieg, Gewalt und Tyrannei, die Mars gern angehangen werden, können durch andere Planeten entschärft werden. 

In der Art aber, wie der blutrote Hartriegel seine zähe und kaum spaltbare Wurzel unbändig in den Boden treibt, seine Zweige zügig, elegant und beinahe strategisch im Boden wurzeln lässt um schnellstmöglich sicheren Stand und Ausbreitung (Eroberung) zu gewinnen, wie er sich zum Ende des Jahres puderrot färbt, als wäre er voller Wut, dass das Jahr zu Ende geht und wie er oft noch im Spätsommer Blüten treibt, als wehre er sich gegen die immer tiefer stehende Sonne, lässt eindeutig die kampfeslustige Signatur des Mars erkennen. Trotzdem scheint er nicht rein selbstsüchtig zu agieren, festigt er doch den Boden und schafft Raum für nachkommende Pflanzen, die ohne ihn keinen Halt fänden. Dies lässt klar die vermittelnde Eigenschaft des Merkur erkennen. Das geschickte und vorausdenkende Handeln mit dem „Sich-gewahr-Sein“ der Veränderung zeugen deutlich von merkurischen Eigenschaften, die für Vielfalt und Artenreichtum stehen. Im Frühjahr und im Sommer zeigt sich der blutrote Hartriegel von einer gänzlich anderen Seite, eher unscheinbar und schüchtern kleidet er sich in ein eher silbrig unauffälliges Grün, was eine leichte mondhafte Tendenz erahnen lässt. Man sagt, der Mond leite alle höheren Kräfte an die irdische Ebene weiter. Ein eher passives Prinzip also, das den Hartriegel in dieser Jahreszeit charakterisiert. Ein starkes sonnenhaftes Bewusstsein dieser Pflanze spiegelt sich aber auch in seiner Widerstandsfähigkeit und der Art, sich gern in den Mittelpunkt zu stellen. 

 

Wenngleich diese Beobachtungen auch nur Beobachtungen sind, die in unserer streng wissenschaftlsgläubigen und der akademischen Hörigkeit unterworfenen Welt eher ein müdes Lächeln hervor rufen, sind es doch meine Erkenntnisse, die ich aus dem Betrachten und Erleben erfahre und von denen ich ableite, wie sehr sich doch die menschlichen Eigenschaften in ihrer oft gegensätzlichen Erscheinung wiederfinden und Anlass zu der Hoffnung geben, dass in jedwedem Handeln ein tieferer Sinn wurzelt, dessen Tragweite dem Handelnden beim Tun noch nicht in aller Gänze und Tragweite bewusst sein mag. 

Liguster ( Ligustrum vulgare )

Staunen ist der Beginn aller Weisheit...

Zwar dürfte einem Jeden die wohl und oft kunstvoll getrimmte Ligusterhecke aus Gärten, Parks, Vorgärten und Schrebergarten-Siedlungen bekannt sein, doch fristet der Liguster als einheimisches Gehölz ein eher unbekanntes Dasein. Auf kalkreichen Böden finden wir ihn als Teil von Gebüschen, in Waldmänteln und Hecken; daher wird er wegen seiner weideähnlichen Blattform auch „Rainweide“ genannt. In seinem natürlichen Habitat bildet er langästige Ausläufer und die zügige Bewurzelung durch zum Boden abgesenkter Zweige lässt oft ausgedehnte Gebüsche entstehen, die nur wenig an ihr von Menschenhand aufgezwungenes Erscheinungsbild erinnern. 

Aufgrund seiner wintergrünen Erscheinung und ebensolch dauerhafter Gutmütigkeit gegenüber dauerhafter Beschneidung, ist er ein lebendiger Teil unserer Kulturlandschaft in Form von Heckenpflanzungen und Beeteinfassungen geworden. Seine besondere Schnittfestigkeit, verbunden mit lebhaften und stark verzweigten Austrieb an den Schnittstellen lassen ihn dichter und dichter wachsen. So nutzen wir den Liguster in erster Linie um uns ab- und andere auszugrenzen, für Dichtheit vor neugierigen Blicken zu sorgen und die deutliche Botschaft der Abgrenzung ungesagt auszusprechen. Man könnte durchaus unterstellen, dass besonders aufwändig gepflegte und hoch gewachsene Hecken für die jeweilige Rückzugstendenz des Hecken-Eigentümers stehen. Jene Zeiten, in denen wir über Facebook, Instagram & Co unzählige private und bisweilen intime Daten preis geben, unsere Hecken (auch in Form von Thujen, Lebensbäumen, Mauern, Pergola aller Art und Mauern) jedoch immer höher und dichter wachsen lassen, spricht deutlich von der Irrationalität des menschlichen Tuns.  

Man vermutet, dass der Name „Ligustrum“ kaum von den Ligurern abgeleitet wurde, wohl eher aber nach dem Handwerk der Korbflechterei, wofür die jungen Zweige Verwendung fanden (von lat. „ligare“ = binden).  Vulgare bezieht sich auf Begriffe wie „gemein“, „gewöhnlich“ oder auch „allgemein bekannt“, was sich wohl auf die Ausbreitung der Pflanze bezieht. 

Heute ist es kaum noch bekannt, dass die Beeren des Liguster einst zum Färben von Gewebe, aber auch zum Färben von Wein Verwendung fanden. Das vor dem Genuss dieser Beeren hingegen gewarnt wird, ist durchaus verbreiteteres Wissen. In Zeiten des heiligen Wolfgang (um 1520) fand man für viele Pflanzen die Bezeichnung „Teufelskraut“. So taucht der Liguster hier im Einklang mit Johanniskraut, Schöllkraut, Bilsenkraut, Tollkirsche, Einbeere und roter Zaunrübe auf. Doch nicht nur die schwarz glänzenden überwinternden Beeren, sondern auch die Blätter enthalten das für uns giftige Glykosid Ligustrin. Nach einer Konsumation werden die Schleimhäute des Verdauungstraktes und die Nieren angegriffen. Beobachtet wurden Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Entzündungen von Niere und Harnblase, Blutdrucksenkung und nachlassende Herztätigkeit, weshalb von der Verwendung der Pflanze abgeraten wird. Dennoch verwendet die Naturheilkunde die im Frühjahr gesammelten Blüten und Blätter bei Angina, Cellulitis, Durchfall, Halsschmerzen, Rheumatismus und Tabakmissbrauch. Die Wirkung der Pflanze wird mit adstringierend, wundheilend und wundreinigend angegeben. Von einer Selbstbehandlung oder der eines unkundigen und selbsternannten Heilers, wie wir sie heute recht häufig treffen, ist entschieden abzuraten. Unsere Entfremdung von der Natur, der bewusste Entzug und das Vorenthalten biologischer und kosmischer Rhythmen, der Verlust wie auch die bewusste Verdrängung uralten tradierten Naturwissens befähigen uns kaum noch, die in der Natur liegenden Heilkräfte auf ätherischer Ebene überhaupt noch wahrzunehmen. Es scheint, als genüge uns die allmonatliche Apotheken-Umschau-Weisheit zur vollkommenen Genesung. Dies mag zwar kurzfristig auf physiologischer Ebene funktionieren, doch von dauerhafter, und vor allem geistig-seelischer Gesundheit sind wir mehr und mehr entfernt. 

 

Wie schon bei der Hundsrose, dem Pfaffenhütchen oder dem Weißdorn erwähnt, stellt die Hecke einen für uns undurchdringlichen, undurchsichtigen, verworrenen und wehrhaften Übergang von der lichten Welt (dem freien Feld oder der Wiese; das Bewusstsein) in die dunklere Welt, die Welt des Verborgenen und nicht Offensichtlichen (den Wald mit seinen Geistern und Feen, das Unbewusste) dar. Jede natürliche Hecke steht mit der Transformation unseres Seins in direkter Verbindung. Doch gilt dies auch für jene gärtnerisch-künstlich erschaffenen Ligusterhecken, hinter denen wir uns nach getaner, „weltlich-materieller“ Arbeit verkriechen und nur noch unsere Ruhe haben wollen? Ja, denke ich in ganz besonderem Maße. Wir suchen in erster Linie Schutz, Ruhe, Geborgenheit, Rückzug und genießen das Unbeobachtet-Sein, auch wenn sich viele dies in dieser Form nicht eingestehen möchten oder können. Unbewusst spüren wir, dass etwas nicht stimmt, nicht richtig läuft, nicht mehr normal ist und versuchen nur, den Weg zu uns selbst zu gehen, auch wenn dieser einer der schwierigsten Wege ist. 

Denn sicher ist das der Grund, weshalb der Liguster sich mit unendlicher Geduld beschneiden, formen und stutzen lässt, damit er Heim und Herd vor all den Dingen schützt, die dazu gemacht sind, uns von uns selbst zu entfernen. Deutlicher wird das wohl auch durch die immer höheren und blickdichteren Bollwerke, mit den wir unsere Grundstücke umrahmen und deutliche Zeichen der Abgrenzung, des Draußen-Bleibens, setzen. 

Der Liguster zählt zu den Ölgewächsen und drückt hierdurch zunächst seine Sonnen-Sigantur aus, die für Ich-Werdung, Zentrierung und das Ich-Bewusstsein steht. Das „Ich“ also ist es, das wieder in den Mittelpunkt rückt. Und wo, wenn nicht hinter einen dichten Hecke, findet man die Ruhe hierfür. Das Giftige und Düstere, welches im Liguster auch liegt, findet sich in der Signatur des Pluto, dem, der als äußerer Planet die Finsternis (alles was von Außen kommt) bewacht und über das Reich der Schatten wacht; genau dann, wenn wir uns nicht unterwerfen wollen, uns nicht ausgeliefert sehen möchten. Da jede Hecke aber auch für den Ort des Überganges und somit den Austausch steht, sehe ich deutlich die Charakteristik des Merkur, des sonnennächsten Planeten. Ihm unterstehen Grenzen und ihre Überschreitung, der Austausch, die Kommunikation und das Überbringen von Botschaften (Hermes, Anubis, Toth).  Wir kennen Begriffe wie „Hecken-Geflüster“ oder was sagt man nicht alles durch die Hecke oder was hecken wir gerade wieder aus, was geschieht im Verborgenen oder unter vorgehaltener Hand? Vielleicht ist damit auch die Art und Weise angesprochen, wie wir mit und über uns selbst reden…

Esche ( Fraxinus excelsior )

Unser gesamtes Wissen entspringt unseren Wahrnehmungen.

Die Esche ist der Baum der Au-, Schlucht- und Laubmischwälder. Auf Schritt und Tritt begegnet man ihr, dem Baum, der oft im Jahr als letzter grünt und als erster sein Laub abwirft. Jedoch kündet sie das Sonnenjahr an, wenn sie vor der Eiche zu grünen beginnt. „Grünt die Esche vor der Eiche, bringt der Sommer große Bleiche.“, was bedeutet, dass ein heißes und trockenes Jahr bevorsteht. 

Die Esche, im keltischen onna oder onnestru genannt, steht im indogermanischen für das Wort „osk“, was so viel wie „Speer“ bedeutet. Aus ihrem Holz drechselten die Kelten Stiele für Äxte und Spaten, aber eben auch Speere und Lanzen, was sie zum Symbol männlicher Stärke machte. Die germanische Mythologie nennt „Ask“ (Esche - Mann) und „Embla“ (Ulme - Frau) als die ersten Menschen. 

Sie ist ein wahrhaftiger Sonnen-Baum, auch wenn sie gern auf feuchten Böse wächst und ihr somit die Macht über das Wasser zugesprochen wurde. Keltische Druiden trugen Stäbe aus Eschenholz, mit denen sie das Wetter beherrschen konnten. Im druidischen Baumalphabet der Iren ist sie der dritte Buchstabe (Nion), der das sonnendurchlichtete Wasser und die Wiedergeburt symbolisiert, die durch die Vereinigung des kosmischen Lichts mit dem Lebenswasser möglich ist. 

„Die Esche, weiß ich, sie heißt Yggdrasil, die hohe, benetzt mit hellem Nass; von dort kommt der Tau, der in Täler fällt, immergrün steht sie am Urdbrunnen…“

Yggdrasil war es, durch die Odin zum Runenleser und Zaubermeister wurde. Der Überlieferung zufolge vollzog Odin an sich selbst den Weiheakt, als er, verletzt durch einen Zweig des Baumes, neun Nächte lang an der Weltenesche hing. Die Weltenesche Yggdrasil bildet die Achse und Stütze der Welt. Wie eine lebendige Säule durchdringt und verbindet sie Götterstadt, Riesenland und Unterwelt.

Da das Holz der Esche verletzen kann, kann es auch Wunden heilen und Blutungen stillen. So nähte man auch Eschensplitter ins Hemd, um einer Verwundung entgehen zu können. 

Bei Hildegard von Bingen ist die Esche ein Sinnbild der besonderen Einsicht. Sie bemerkt, dass Eschenlaub anstelle von Hopfen bei der Herstellung von Haferbier verwendet werden kann. Zubereitungen aus den Blättern und Früchten des Baumes werden gegen Gicht und Rheuma empfohlen, wenn sie mit Wacholderbeeren, Weiden- und Brennesselblättern in Alkohol zum „Eschengeist“ angesetzt werden. Bekannt ist heut noch der sogenannte „Holztee“, ein Aufguss aus geraspelten Spänen des Eschenholzes, der blutreinigend wirkt. Eschenasche, die reinweiß ist und auf die Sonnensignatur hinweist, wurde mit Essig verrührt und bei verstauchten und gebrochenen Beinen zur Anwendung gebracht. 

Die wahrhaftige Signatur der Sonne kommt auch in ihrer unglaublichen Vitalität zum Ausdruck. Die Esche ist ein wahrer Überlebenskünstler, sie bringt es auf eine stattliche Größe bis zu 40 Metern Höhe und selbst dem alljährlichen Beschneidungs- und Stutzungswahn (was irrsinnigerweise als Baumpflege bezeichnet wird) des Menschen strotzt sie mit üppigem Wuchs und schnell wieder austreibenden und grünenden Zweigen entgegen. Sie gewährt durch ihr gefiedertes Blattwerk, das sehr lichtdurchlässig ist und wenig Schatten spendet, nur jenen Pflanzen ein unbekümmertes Gedeihen in ihrer Nähe, die ihr später nicht zur Konkurrenz werden können. Warum auch sollte ein so sonnenhaftes Wesen seine eigene Existenz gefährden? Ihr Wurzelwerk ist sehr weitreichend und durstig, so dass nur Pflanzen in ihrer unmittelbaren Nähe gedeihen, die sich selbst auch in trockenen Zeiten selbst „über Wasser“ halten können. Zudem deutet ihre Frostempfindlichkeit deutlich auf ihre Sonnensignatur hin. Schon bei den ersten und geringen Nachtfrösten lässt sie ihr noch in sattem Grün stehendes Laub schnell fallen und erwartet, bis weit in den Frühling hinein, jene Tage, an denen die Sonne hoch genug gestiegen ist und die Tage lang und hell genug sind, dass Nachtfröste kaum noch möglich sind. Dann treibt sie schnell und üppig aus ihren schwarzen Knospen heraus. So kann man nach dem „Eschen-Treiben“ recht gut feststellen, ob kalte Nächte noch zu erwarten sind.

Kupfer-Felsenbirne ( Amelanchier tamarckii )

Die einzig wahre Weisheit liegt darin zu wissen, dass man nichts weiß.

Hierzulande wird das ursprünglich aus Nordamerika stammende Gewächs als Kupferfelsenbirne beschrieben, da die Blätter der Pflanze zur Blütezeit eine kupferrote Färbung tragen. In unserem atlantischen Klimaraum hat sich die Felsenbirne sehr gut verbreitet und erfreut sich großer Beliebtheit als Garten- und Parkgehölz. Auch in kommunalen Rabattenbeflanzungen findet sie mehr und mehr Verwendung, da sie recht anspruchslos ist und selbst auf armen und sandigen Böden sehr gut zu gedeihen vermag. Auch längere Trockenperioden übersteht sie sehr gut und zeigt dies durch eine besonders intensive Färbung des Laubes. Felsenbirnen gedeihen auf nahezu allen Standorten. Nur Schatten und nasse, stark saure Böden meiden sie. Sie sind unempfindlich und sehr frostresistent.

Die Früchte aller Felsenbirnen-Arten sind essbar, manche sind größer und schmackhafter als die anderen. Die amerikanischen Ureinwohner schätzten die Frucht als nahrhaftes Trockenobst und in Pemmikan, einem noch gehaltvolleren und vor allem haltbaren Gemisch aus Fett, getrocknetem Fleisch und getrockneten Beeren. In unseren Breiten werden die Früchte wie Rosinen getrocknet und verwendet oder man stellt aus ihnen Marmeladen, Gelees und Säfte her.

Besonders alle Drosselarten haben sie zum Fressen gern, die etwa heidelbeergroßen, von Kelchblättern gekrönten, purpurschwarzen Früchte der Felsenbirne. Meist rupft das Federvolk die Beeren bereits unreif ab. Falls Sie aber doch mal eine reife, dunkel ausgefärbte Frucht erwischen und naschen, werden Sie feststellen, dass sie saftig süß schmeckt, und nach Kirsche mit einem Hauch von Marzipan und Bittermandel. Und mit nur wenig Säure. Das Marzipan-Aroma steckt in den vielen kleinen Samen, in denen geringe Mengen eines Blausäureglykosids enthalten sind. Und zur Marmeladenzubereitung bedarf es keines Zusatzes von Gelatine oder Ähnlichem, da der Anteil an Pektin in den Früchten hoch genug ist, um ein Eigenbindungsvermögen zu gewährleisten. 

Amelanchier wird vom französischen „amélanche“ abgeleitet. Das auf die südöstliche Provence beschränkte Wort ist durch falsche Abtrennung des Artikels entstanden ( la mélanche / l´amélanche ) und führt so über „melanko“ auf eine vorrömische Form zurück, welche mit schmutziggrau und dunkelfarbig zu erklären ist.

 

Echte Nelkenwurz ( Geum urbanum )

Ich suchte in Tempeln, Kirchen und Moscheen, fand das Göttliche aber in meinem Herzen.

Die Nelkenwurz mag Manchem sehr aufdringlich erscheinen, was durch die Anhänglichkeit ihrer Samen in Kleidung oder auf Tierfellen versinnbildlicht wird. Zwar ist sie als schlimmes Unkraut verschrien, doch dort, wie sie üppig wächst, wird sie meist besonders benötigt. Daher finden wir sie mehr und mehr in der Nähe menschlicher Siedlungen.

Ihr Name verweist auf keine Etymologie. Nur der Namenszusatz „urbanum“ (von urbánus stammend) weißt auf ihre Standortauswahl besonders in Städten hin. Auf Ruderalflächen, in Laubmischwäldern, an Heckensäumen und Gebüschen. Hier warten im Spätsommer die kleinen, keimfreudigen und mit Haken versehenen Samen auf ihre Verbreitung. 

Der Wurzelstock der Nelkenwurz hilft gegen Durchfall wie Verdauungsstörungen und dient als Ersatz für Gewürznelken. Gräbt man die Wurzel frisch aus der Erde und reibt diese in den Händen, kann man deutlich diesen die Sinne berührenden Duft schnell wahrnehmen. Wegen der keimtötenden Wirkung wird ein Auszug aus der Wurzel auch als Gurgelmittel bei Rachen- und Zahnfleischentzündung angewendet. Weiter wird ihr eine lebensverlängernde, die Potenz des Mannes steigernde und Unheil abwehrende Wirkung zugesagt. Zu letzterem trägt man den getrockneten Wurzelstock als Amulett um den Hals möglichst auf Herzhöhe. 

Die Nelkenwurz zählt zu den Rosengewächsen. Weitere Namen deuten auf ihre Wirkspektren hin. Benediktenkraut nennt man sie noch zu Zeiten Hildegard von Bingens, aber auch „Heil aller Welt“, Mannskraft und Nägeleinkraut.

Geschätzt war der Wurzelstock auch um Würzweine zu parfümieren, dem Bier eine besondere Note zu geben und es zugleich vor dem Sauerwerden zu bewahren. 

Hildegard von Bingen empfiehlt „Benedicta“ (die Gesegnete) zur Stärkung schwacher Menschen indem sie sagt: „…und wenn jemand es im Tranke einnimmt, entbrennt er in begehrlicher Liebe…“, womit sie mehr die Liebe zum Leben selbst gemeint hat. Eine aphrodisierende und die Potenz steigernde Wirkung beschreibt sie etwas zurück haltender. 

Als Duftpflanze wurde die Nelkenwurz gegen Hexen, Teufel und sämtliche bösen Geister, heute eher als negative Energien oder Assuras bekannt, gezielt angewendet. 

Deutlich erkennt man in ihr die Signatur des Jupiter. Er regiert die Reife des Menschen, reguliert den Blutstrom und die Leberfunktion; auf der weniger sympathischen Seite vermag er Geiz und Vergesslichkeit zu bedingen. Im Tarot findet man Jupiter unter dem Rad oder Fortune, dem Glück. Diese Karte beinhaltet Neubeginn, Erweiterung, Kreativität, Selbstverwirklichung und unerwartetes Glück. Hierbei gilt es, das Leben in die eigenen Hand zu nehmen und sich nicht dem Willen oder der Entscheidungsgewalt anderer Menschen und Meinungen auszuliefern. 

Genau dieses Bild vermittelt uns die Nelkenwurz. Ihre Bodenständigkeit, ihr Vermögen, sich mit ihren langen Wurzeln fest im Erdreich zu verankern, zeigt uns, wie wichtig es ist, ausreichend Erdkontakt zu haben und dennoch körperlich wie auch im Geiste beweglich zu sein. Hier sehe ich einen Grund dafür, weshalb sich uns die Nelkenwurz auf Schritt und Tritt in ihrer allgegenwärtigen Erscheinung regelrecht aufdrängt. Viele von uns sind von ihrem eigenen Wesen, von ihrer Ursprünglichkeit getrennt, abgelenkt, bisweilen verwirrt und vom gesellschaftlichen Dasein überfordert. Die Zahl der seelischen Erkrankungen, als Folge dieser Trennung, steigt rapide von Jahr zu Jahr. Fänden wir wieder mehr Vertrauen zu uns selbst und machten unser Schicksal nicht permanent von den Reflexionen unserer „zivilisierten“ Umgebung abhängig, gelangten wir zu unseren Wurzeln und somit zu unserem ureigenen „Selbstvertrauen“ zurück. Erst dann haben wir die Fähigkeit wieder erlangt, aus unseren Wurzeln heraus einen Neuanfang zu wagen, uns zu erweitern, eigene und mutige Ideen zu entwickeln und uns endlich selbst zu verwirklichen. Genau diesen „jupiterischen“ Gedanken vermag uns die Nelkenwurz zu vermitteln. Sie ist eine von unzähligen anderen Pflanzen, die diese und ähnliche Botschaften aus ihrer Unscheinbarkeit heraus vermitteln. Ihre Widerstandsfähigkeit und ihr Vermögen, selbst aus den unwirtlichsten Bedingungen heraus zu erblühen und viele Samen (Gedanken/Ideen) hervorzubringen, sollte uns ein lehrhaftes Beispiel sein.

Kohl-Kratzdistel ( Cirsium oleraceum )

Die Erde, sagte er, hat eine Haut; und diese Haut hat Krankheiten. Eine dieser Krankheiten heißt zum Beispiel: "Mensch".

 

Das einzig wirklich distelartige ist ihr Name; die gelbgrünen und das Blütenkörbchen umhüllenden Hochblätter wirken mehr kohlartig - und die mit Dornen umwimperten Blätter stechen überhaupt nicht. Die Kohl-Kratzdistel profitiert eindeutig  durch Düngung und Nährstoffanreicherung infolge Umweltverschmutzung. Sie begegnet uns an stickstoffhaltigen und wechselfeuchten Standorten in Feuchtwiesen und Sümpfen, an Ufern und umsäumt Straßen, die durch schattige und feuchte Wälder führen. 

Ihr Namenszug oleraceum bedeutet zwar gemüseartig, doch hat dies mehr mit ihrer Erscheinung als mit ihrer Verwendung und ihrem „Futterwert“ zu tun. Für Schmetterlinge und Hummeln jedoch ist sie ein wahrer Leckerbissen. 

Prinzipiell sind für den Menschen alle Teile der Pflanze essbar, doch sollte sie besser im eigenen Garten angebaut als wild gesammelt werden. Denn dort, wo sie in Massen auftritt, ist zu vermuten, dass sie mit dem reichen Nährstoffangebot ebenso Umweltgifte aus der Landwirtschaft aufnimmt und speichert.

Die jungen Blätter können für Salat verwendet werden, die größeren für Suppen und in Verbindung mit Brennnesseln und gutem Heinrich für Wildspinat. In Italien findet man sie auch häufig in der Minestrone. Kurz blanchiert, in Butter geschwenkt mit Muskat leicht parfümiert gibt sie ein schmackhaftes Gemüse, wenn man die Pflanze vor der Blüte sammelt. Ihre Wurzel enthält reichlich Inulin, wie man es in Schwarzwurzeln, Topinambur und Chicorée findet. Inulin ist ein präbiotisch löslicher Ballaststoff und eines der besten Mittel und Inhaltsstoffe, welches einer gesunden Darmflora sehr zuträglich ist, den wichtigen Laktobakterien ein Willkommens-Milieu schafft und letztendlich zur Entsäuerung des Organismus beiträgt, weshalb sie wohl auch bei Rheuma und Gicht empfohlen wird.

 

Sie planetarisch zuzuordnen fiel mir zunächst etwas schwer. Doch wenn ich sie berühre und in die Hand nehme, ihren leicht süßlichen Geruch, ihre Weichheit und ihre Nähe zum Wasser spüre, muss ich unwiederbringlich an die Eigenschaften des Mondes denken. Ihre glänzende, aus der Ferne silbrig erscheinende Gestalt und ihre Schnellwüchsigkeit vermitteln die Mondinnen-Eigenschaft sehr deutlich.  

Der Mond symbolisiert den unbewussten Bereich des Weiblichen, das Wechselhafte, die Feuchte, das Zwielichtige und Verführerische, die unheimliche magnetische Anziehung. Alles erscheint geheimnisvoll, zweifelhaft und betörend. Doch wo die Nacht am dunkelsten ist, da ist der Tag am nächsten. Einen leichten Anflug marsianischer Eigenschaft erkenne ich aber auch in ihrem Versuch, Dornen zu bilden und einem geradlinig-faserigen Wuchs zu folgen. Doch überwiegen die Mondeigenschaften derart, dass der Krieger sich nicht so recht durchzusetzen vermag.  

An einem der letzten Tage im August war es, als die Kratzdistel gezeichnet werden wollte. Ein gewittriger Tag, an dem der Sommer wohl schon mit dem Herbst zu ringen schien. Die noch im grünen Dickicht verborgenen Käppchen des Spindelbaumes begannen kaum merklich sich einen ersten gelben Schleier überzuziehen, die Holunderbeeren schickten sich an, allmählich etwas Farbe zu bekennen. Stolz und erhobenen Hauptes ragten die weit geöffneten Blüten der Kohlkratzdistel über die satte und vom Regen getränkte Wiese hinweg, durch die sich der anschwellende Bach munter und deutlich hörbar schlängelte. Die Gräser konnten sich der Kraft des Regens nicht erwehren und beugten sich in wirr umher liegenden Strähnen dem Boden entgegen, was die Erhabenheit der Kratzdistel nur noch unterstreichen konnte.

Genau dann, wenn ihre borstig erscheinenden Blüten sich empor recken und öffnen, wenn Meisen, Kreuzschnäbel, Hänfling, Stieglitz und andere Finken sich an ihnen gütlich tun, wenn am Morgen leichtfüßig-neblige Schleier die Auen und Täler befeuchten, dann beginnt der Sommer langsam Abschied zu nehmen. Hier und da mag er zwar noch etwas aufbegehren, etwas sagen zu wollen - doch spätestens dann, wenn die aufrechten Kohlkratzdisteln Wiesen und Bachsäume dominieren, ihre Köpfe den Wiesendunst etwas gespenstisch überragen und der in ihren Blütenbärten hängende Morgentau im ersten, fahlen Sonnenlicht weithin silbrig schimmert, dann ist es Zeit zu erkennen, dass der nächste Sommer nicht mehr weit ist…  

Holunder und Pfaffenhütchen aus dem Gönnatal                                       ( Sambucus nigra / Eounymus europaea )

Die größten Ereignisse - das sind nicht unsere lautesten, sondern unsre stillsten Stunden.

Wilde Malve aus meinem Hinterhofgarten ( Malva sylvestris )

Die Liebe ist die Gefahr des Einsamsten, die Liebe zu allem, wenn es nur lebt.

Seit der jüngeren Steinzeit findet sich die wilde Malve in der Nähe menschlicher Siedlungen. Sie mag warme, stickstoffreiche Standorte und zeigt große Verbreitungslücken. An Wegen, am Fuss von Mauern und selbst auf Schutthalden findet sie sich ein und gedeiht auch hervorragend an „anrüchigen“ Stellen. Daher wird sie oft auch „Pisskraut“ oder „Schissblume“ genannt.

Ihr Name Malva leitet sich vom griechischen „maláche“ ab, worunter ein billiges Nahrungsmittel armer Leute gemeint ist. Dies bezieht sich jedoch mehr auf die Art Malva negelecta, welche in Asien als Nahrungsmittel direkt angebaut wurde. Der Namenszusatz „sylevstris“, die im Wald lebende, trifft offensichtlich nicht zu, da die wilde Malve sonnige und sehr warme Standorte bevorzugt. Tief in den Boden reichende Pfahlwurzeln versorgen sie auch auf sehr trockenen Standorten. 

Die Blüten und Blätter helfen sehr gut bei Katarrhen der oberen Atemwege und wirken schleimlösend und reizmildernd. Ihre farbprächtigen Blüten werden für viele Teemischungen gern genommen. Direkt nach dem Verblühen können die jungen Fruchtstände, die wie kleine Käselaibe aussehen, wie frische Erbsen verarbeitet werden und schmecken roh ähnlich wie Mais oder Zuckerschoten. Zwar mühselig, aber dennoch genussvoll sind die Knospen, wenn sie wie Kapern eingelegt werden.

Konrad beruft sich auf den Römer Plinius der behauptet, dass ein „…Undersatz die Geburt gleich und schnell auswirft…“. Mit Untersatz ist das Lager gemeint, auf dem sich die Gebärende bettet, welches mit den Blättern und Blüten der wilden Malve ausgelegt ist. Aber auch als Orakel für die Gebärfähigkeit leistet die Pflanze gute Dienste. Die Frau musste hierzu nur ihren Urin über die Malve giessen; war die Pflanze nach drei Tagen verdorrt, so gab es keine Hoffnung auf eine Schwangerschaft. Die gleiche Vorgehensweise gab Auskunft über die Jungfräulichkeit. Welkte die Malve, dann war das Mädchen „…kein Magt mehr, sondern sag fröhlich, sy hab schon oft Ratzen und Muss verbissen…“

Die scheibenförmigen Früchte dienten Kindern auch als Spielgeld und wurden auch gern als Käselaib bezeichnet, was landläufig zu verschiedensten regionalen Bezeichnungen der Pflanze, wie z.B. Käsepappel führte. 

Wie erwähnt, legt ihr Name nahe, dass sie im Walde leben würde, doch offenbart sie uns ihre Schönheit so offen wie die Venus selbst, deren untrügliche Signatur sie trägt.

Das Prinzip der Venus findet sich im Ausgleich, der Homöostase, Mütterlichkeit, Substanzbildung und vor allem weiblichen Regelmechanismen. Sie stellt die Verbindung von Geist und Materie dar und wird auch gern als „fortuna minor“, das kleine Glück bezeichnet. 

In der organischen Entsprechung ist die Venus für die angemessene Verteilung und Einlagerung der Energien zuständig. In ihrer Eigenschaft als Stiervenus sorgt sie für Substanzbildung und als Waagevenus stell sie die richtige Verteilung der Nährstoffe im Körper sicher. Die primäre organische Entsprechung sind hier die Nieren. Diese Sichtweise vertritt auch die traditionell chinesische Medizin, in der die Nieren als unterer Erwärmer, das Qi, die Lebensenergie, nach oben in den gesamten Körper verteilt. 

Wenn uns etwas an die Nieren geht, heißt das nichts anderes, als das wir auf unangenehme Weise aus unserem psychosomatischen Gleichgewicht gebracht sind. Die Steuerung von Regelmechanismen hat viel mit unserer inneren und äußeren Umwelt zu tun. So sind Krankheitsbilder, die mit der Venus in Beziehung stehen, auch immer ein Zeichen dafür, dass wir uns nicht in der Balance befinden, wie wir es sollten. 

An dieser Stelle kann es schon ein Malventee sein, der unser empfindliches Waage-System wieder ein wenig auszugleichen vermag. Besonders dann, wenn wir uns wieder die Zeit nehmen, uns aufmachen und auf die Pflanzen zugehen, wir uns ihnen nähern und von ihrer immer währenden Bereitschaft, sich uns hinzugeben, anerkennend und dankbar bedienen dürfen.

 

Wilder Wein oder auch selbstkletternde Jungfernrebe                              ( Parthenocissus quinquefolia )

"Alles Gerade lügt.." murmelte verächtlich der Zwerg. "Alle Wahrheit ist krumm, die Zeit selber ist ein Kreis."

Becherflechte aus dem Thüringer Wald ( Cladonia pyxidata )

"Geküsst und gesaugt will es sein vom Dunste der Sonne; Luft will es werden und Höhe und Fußpfad des Lichts und selber Licht!"

 

Sie zählen zu den ältesten Geschöpfen unserer Zeit, sofern unser eigener Ermessensspielraum auch nur vage erahnen kann, ob Zeit über unsere Wahrnehmungsfähigkeit hinaus überhaupt existiert. Still, starr und beweglich erscheinen sie uns, die Flechten, die Doppelwesen, die symbiotischen Verquickungen aus Algen und Schlauchpilzen. Die Flechtenpilze kommen allein in der Natur kaum vor, da sie sich gegenseitig bedingen. Die Pilze leben von den Kohlenhydraten, die die Algen produzieren und die Algen schützen die Pilze vor Trockenheit und Hitze. So können sie selbst extreme Lebensstätten besiedeln. 

 

Die häufig vorkommende Becherflechte selbst erscheint wohl als die markanteste Vertreterin ihrer Art. Doch wird sie schnell und leicht übersehen. Ihre Wuchshöhe geht über 1,5 cm kaum hinaus und ihre Farberscheinungen hängen immer vom jeweiligen Standort ab. Die sich deutlich verjüngenden Potedien entwickeln am Becherrrand braune bis deutlich rote Apothecien und bieten wunderbare Motive, wenn man sich diesen Wesen nähert. Erst aus unmittelbarer Nähe eröffnet sich dem neugierigen Betrachter oder Fotografen eine völlig neue Welt, ein gänzlich anderes Universum, das mich still und doch sehr deutlich an fraktale Geometrie erinnert. Nahaufnahmen ins recht Licht gerückt, erscheinen eher von der Oberfläche eines Planeten in einer weit fernab gelegenen Galaxie oder gänzlich in einem anderen Universum. Wie Baumstämme, die erscheinen, als wollten deren Trichterkronen den Regen auffangen und verspeisen, recken sie sich dem Licht entgegen. Dabei entzieht sich unserer aufmerksamen Beobachtung vollkommen, dass die stolzen Potedien überhaupt wachsen oder sich bewegen können. Verletzlich und zerbrechlich erscheinen sie nicht nur. Jede Berührung zerstört die fragile Architektur augenblicklich und zeigt uns mehr als deutlich, welchen Schaden auch nur die kleinsten unserer Eingriffe in der Natur verursachen können.

 

Wenn ich tief in das Gewirr der kleinen Wälder aus winzigen Stämmen blicke, ist mir, als tauchten jeden Moment hinter und zwischen ihnen noch kleinere Avatar auf, die nur darauf warten, ihr winziges und doch so riesiges Idyll zu bewahren, zu schützen und zu verteidigen. Avatare sind Gottheiten, die in die irdischen Sphären hinabgestiegen sind und somit die Manifestation des höchsten, des göttlichen Prinzips in der Gestalt eines Menschen oder Tieres annehmen. Oft, so denke ich, ist es an der Zeit und mehr als nötig, dass wir diesen „offenbarenden Erkenntnissen“ tatsächlich begegnen sollten, um unser alltägliches Tun und Treiben, unser „Ganztags-Zombie-Dasein“, endlich bewusst zu hinterfragen und diesem, heraus aus der Wahrnehmung und Erkenntnis unserer eigenen göttlichen Herkunft, ein schrittweises Ende zu setzen. Physische Größe zumindest, das zeigt mir so ein kleines Becherflechten-Wäldchen, ist von absoluter Belanglosigkeit.

 

Ein kleines und zugleich großes Gedicht von Janine Jabs, einer sehr naturverbundenen jungen Frau aus Eisenach, schmiegt sich ganz harmonisch an das Erscheinungsbild dieser kleinen Wesen und beschreibt auf Janine´s eigene Weise ganz wunderbar, wie groß eine Winzigkeit auch sein kann…, und ist.

 

 

 

Nur eine Winzigkeit

 

Nur eine Winzigkeit entfernt vom Nichtbestehen

Strahlende Schönheit glänzend hell im Licht

Nur ein paar Stunden weit entfernt vom Untergehen

Doch Wesentlich aus einer anderen Sicht 

 

Verschwindend kurz in unserem Zeitgeschehen 

Kaum wahrnehmbar - fast gar nicht existent 

In unseren Augen - spurloses Vergehen

Scheinbar bruchteilhaftes Sein - bis man erkennt -

 

Dass unserer Vorstellungskraft Zusammenhänge fehlen

Die nicht durch Wissenschaft erfassbar sind 

Wir uns im Zweifel an Erklärungen lehnen

Die uns beruhigen sollen - wie das Kind -

 

Was durch Behauptungen bald fraglos wird 

Obwohl wir selbst die Antwort oft nicht kennen

So wird nur seine Wahrnehmung gestört 

Weil wir versuchen vor ihr wegzurennen

  

Nur eine Winzigkeit entfernt vom Nichtbestehen 

Wenn ich auch unser Sein noch nicht verstehe

Sind wir doch alle nicht so weit entfernt vom Untergehen

So weiß ich dass ich offen - fragend gehe

 

Janine Jabs

Klatschmohn (Papaver rhoeas)

"Gerne liege ich hier, wo die Kinder spielen, an der zerbrochenen Mauer, unter Disteln und roten Mohnblumen."

„Weit in der Champagne, im Mittsommergrün; dort wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen blüh´n.

da flüstern die Gräser, und wiegen sich leicht, im Wind, der sanft über das Gräberfeld streift…“

 

An diese ersten Zeilen des ergreifenden Hannes-Wader-Liedes „Es ist an der Zeit“ muss ich immer denken, wenn sich die hauchzarten Blüten des Mohns auf ihren fragilen Stengeln über die hohen Gräser heben. Wie blutige Tropfen sehen sie aus, die sich über die Felder ziehen. Zwar waren sie lange schon vor den Gräueltaten der Menschen hier, doch zeugen sie auf ihre eigene Weise  mahnend über dem Saum der Felder und Wiesen, als wären sie sich der Vergehen an uns selbst bewusster, als wir es sind. 

Der Name Papaver trifft für alle Monaten zu, sowohl für Klatsch-, Saat- und Schlafmohn und bedeutet so viel wie „aufgeblasen“, womit auf die Erscheinung der Mohnköpfe angespielt wird. Der Zusatz dubium deutet auf die problematische, taxonomische Beurteilung der verschiedenen Arten dar. Saat- und Klatschmohn unterscheiden sich zwar durch das unterschiedliche überlappen der Blütenblätter, dies kann jedoch aufgrund der Standortbeschaffenheit verschiedene Ausprägungen annehmen. 

Der Namenszusatz „rhoeas“ lässt sich auf die Begriffe Ausfluss und Erguss zurück führen, da sich der Klatschmohn als Heilmittel gegen Durchfall und Blutergüsse bewährte. 

In der Heilkunde dienen die Flores Rhoeados wegen ihres Schleimgehaltes als einhüllendes, linderndes Mittel und sind Bestandteil von Brustteemischungen. Klatschrosensaft aus frischen Blumenblättern soll für kleine Kinder beruhigend sein. In manchen Gegenden werden die jungen Blätter, wie Spinat oder als Suppe zubereitet,  und als Gemüse gegessen. 

Auch in früheren Zeit hat man diese Blume geliebt. So fand man sie auf pompejanischen Wandmalereien und die Blütenblätter in Altägyptischen Gräbern des oberen Nilgebietes, deren Alter auf 3000 Jahre zu schätzen ist. Vielleicht hat die Blume den alten Ägyptern als Sinnbild für die Vergänglichkeit gegolten, denn auch heute fällt uns ihr Erscheinungsbild nur während der kurzen Blütezeit ins Auge. Ursprünglich stammt der Mohn aus dem Orient. Erste Funde Erwähnungen finden sich am Euphrat und in Palästina. Über den Kaukasus hat er sich über Europa bis nach Schweden ausgebreitet, findet sich mittlerweile auch sich auf Madeira und den Azoren. 

Im Hortus hat sich der Mohn ohne jegliches Zutun prächtig vermehrt. Es genügt ein einfacher Sandhaufen, auf den die Samen ausgebracht werden und von Jahr zu Jahr explodiert dieses wogend weiche Farbenmeer von ganz allein. 

Eindeutig lässt sich in allen Eigenschaften der Pflanze, abgesehen von der Farbe der Blüte, die Signatur des Mondes in ihr erkennen. Kernprinzipien des Mondes sind Energieaufnahme, Periodizität, Reflexion, Empfindung und Hingabe. So wie der Mond das Licht der Sonne reflektiert, so nimmt der Magen die Nahrung auf und stellt sie nach Prüfung dem Körper nach und nach zur Verfügung. Magenkrankheiten können auf einen Mangel an emotionaler Zuwendung hinweisen oder auch als Folge permanenter Selbstüberforderung auftreten. Die „Mondseite“ im Leben ist jene der Entspannung, der Ruhe und des Schlafes, damit sich die Körperrhythmen wieder einpendeln können. Dies besonders für jene, die zu sehr die „Sonnenseite“ des Lebens leben und sich mit zahllosen Aktivitäten übernehmen. 

Mondige Pflanzen werden und vergehen schnell. Der Mond bewirkt das Keimen, Aufsprießen, Faulen und Verrotten im Pflanzenreich. Hierunter zählen wässrige, aufgedunsene, schlingpflanzenähnliche und milchsafthaltige Pflanzen, aber auch giftige, schmerzstillende und narkotisierende. Auch wirken sie auf den feinstofflichen Bereich der Sexualorgane, das Gehirn und die Fruchtbarkeit. 

 

Hauswurz (Sempervivum tectorum)

"Und dies Geheimnis redete das Leben selber zu mir: "Siehe", sprach es, "Ich bin das, was sich immer selber überwinden muss."

Sempervivum bedeutet „Das immer Lebende“. Dieser Eindruck lässt sich gewinnen, wenn man betrachtet, unter welchen bisweilen unwirtlichen Bedingungen diese Pflanze noch immer hervorragend gedeiht, kräftige, auf hohem Stengel thronende Blüten hervorbringt und sich über unzählige Ableger vermehrt.

Bart des Jupiters, Dachlauch, Steinrose, Dachwurz, Donnerabart oder auch Donnerwurz sind andere Namen, unter denen uns das Sempervivum begegnet. Der Begriff des Donners lässt sich hier in zweierlei Richtungen ableiten. Karl der Große hat in seiner „Capitulare de villis“ angeordnet, gewisse Pflanzen anzupflanzen. Hierzu zählte auch der Hauswurz, der auf jedes Dach zu pflanzen war, da er vor Blitzschlag schützte. Und so bildeten sich auf den Dächern von Häusern und Scheunen, Torbögen und Mauerpfosten regelrechte Polster dieser Pflanze, die keiner weiteren Pflege und Zuwendung  bedurfte.

Verstärken lies sich die Wirkung, wenn die Hauswurzrosetten beim Herannahen eines Gewitters im Herdfeuer verbrannt wurden. Hierzu mussten sie jedoch an einem Johannitag gepflückt werden. An einem Donnerstag, dem Jupiter geweihten Tag, hat die Hauswurz ihre beste Heilkraft. Zu Brei zerstampft und auf die Stirn gelegt, hilft sie gegen starke Kopfschmerzen, mit Flusskrebsen gekocht gegen Angina und der Saft der Pflanze hilft gegen Sommersprossen, Warzen, juckende Mückenstiche und mit Wasser vermischt gegen Fieber.

Hildegard von Bingen warnt vor dem Genuss der Pflanze, denn diese lässt die ungebremste Begierde bei Man und Frau entflammen. In Ziegenmilch eingelegt empfiehlt sie sie jedoch für zeugungsunfähige Männer.

Auch als Orakel diente sie, was auch heute noch zu beobachten ist. Blüht die Blüte rötlich, stehen freudige Ereignisse ins Haus. Blüht sie hingegen in weiß, dann steht der Tod eines nahen Angehörigen bevor.

Die Pflanze benötigt volle Sonne und kann nasse Füsse gar nicht vertragen. Im Hortus gedeiht sie prächtig auf Kalksteinen und Schotter, auf Dachziegeln und in herumgedrehten Firstziegeln, die nur mit etwa Kalksteinen und Splitt aufgefüllt sind. Substrat und Erde sind überflüssig, denn die Hauswurz ist den Sukkulenten zugehörig. Ihre Kraft und Vitalität, ihre Vermehrungsfreudigkeit ist wirklich beeindruckend. Man könnte meinen, sie sein ein reines Kind der Sonne und trüge deren Signatur, stimmt nur teilweise. 

Die Sonne zieht die Pflanzen in die Höhe, gibt ihnen gerade Stängel und einen kräftig angenehmen Geschmack. Sie steht für Vaterschaft, Lebenskraft und das Erreichen des höheren Selbst. Auch an der Anordnung der Rosetten kann man den spiralförmigen Weg zum Zentrum, zur Mitte hin, sehr gut erkennen. Die Sonne steht als Lebensmotor in unserem Planetensystem für das Vitale schlechthin. Sie gibt Auskunft über unseren Lebenswillen.

 

Die doch viel prägendste Signatur wird durch Jupiter vertreten, der in Bezug auf Donar, den Donnerstag, schon genannt wurde. Jupiter ist der Planet, der der Sonne am ähnlichsten ist. Er steht für Ausdehnung, Anreicherung, Kreativität, Selbstverwirklichung und unerwartetes Glück. Alle Krankheitsbilder, die dem Jupiterprinzip unterstehen, sind ein Hinweis auf den untauglichen Versuch, einen Mangel an persönlichem Glück und echter innerer Größe auszugleichen. 

 

Salomonsiegel/vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum )

"Und wahrlich, Zeit war´s, dass ich ging; und des Wanderers Schatten und die längste Weile und die Stille Stunde - alle redeten mir zu: *Es ist höchste Zeit!* Der Wind blies mir durchs Schlüsselloch und sagte: *Komm!*

Das sagenumwobene Salomonssiegel, auch umgangssprachlich Weißwurz genannt, ist eine der interessantesten einheimischen Pflanzen. Leider ist sie trotz vielfältiger Anwendungsmöglichkeiten in Vergessenheit geraten.

Ihren Namen verdankt sie der Form ihrer Rhizome ( bed. Eingewurzelte ), die wie Siegel aussehen. Jedes Jahr bildet das Rhizom einen neuen Spross, der, wenn der Stengel im Herbst abstirbt, vom Rhizom abbricht und eine kreisförmige Narbe gleich eines siegelähnlichen Aussehens hinterlässt.

 

Polygonatum (griech.: poly = viele / gony = Gelenk o. Knie) bezieht sich auf die knotigen Glieder des Wurzelstockes.

 

Der Sage nach soll König Salomon mit dieser Pflanze jene Felsen gesprengt haben, die ihm beim Bau seines Tempels im Weg standen.

Das Salomonsiegel soll jene „Springwurzel“ sein, mit deren Hilfe Schlösser und Türen geöffnet werden können. Die Springwurzel kann von keinem Menschen gefunden werden, hierzu bedarf es der Hilfe des Schwarzspechtes, aber auch des Wiedehopfes. Wenn es einem gelang die Wurzel zu finden, dann war es ihm möglich, verborgene Schätze ohne Gefahr zu heben, so gut sie auch versteckt und von Dämonen bewacht waren. Ich denke, dass diese Pflanze uns auch befähigt, tief verborgenes oder einfach nur „verschüttetes“ Wissen finden und ergründen zu können. Selbst Fesseln aus Ketten und Eisen soll ihr zu sprengen möglich sein, doch auch hier, so denke ich, können sehr gut unsere seelischen Bande gemeint sein, oder jene Fesseln, die unsere Herzen schnüren.

Auch muss ich beim Anblick des Salomonsiegels immer an das Märchen vom Froschkönig denken. „Heinrich, der Wagen bricht!“, aber es waren nur die eisernen Bande, die Heinrich´s Herz umspannten.

 

Wie viele Pflanzen wurde auch diese verwendet, um Unheil von Haus, Hof und Stall fern zu halten. Hühneraugen sollen bei abnehmenden Mond mit der Wurzel eingerieben werden, damit sie verschwinden.

Für mich ist diese Pflanze etwas ganz besonderes. Sie wächst ungehalten in meinem Garten, unterfährt alles, was sich ihr in den Weg stellt und muss regelmäßig in ihre Schranken gewiesen werden. Dann las ich davon, das besonders Menschen die im Zeichen des Fisches geboren sind, der Anwendung dieser Pflanze unbedingt bedürfen, um ihre schwere Melancholie, ihre Verträumtheit und ihren umbrechbaren Idealismus nicht die Oberhand gewinnen zu lassen.

 

Die wohl prägendste planetarische Signatur ist hier die des Saturns, desjenigen, der mit Abwehr und Begrenzung/Abgrenzung in Verbindung gebracht wird. Hält man sich nicht daran, können schnell chronische Erkrankungen ( Saturn = Chronos ) begleitet von recht starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen mit uns einher gehen. Seelische entspricht dies dem Geiz in jedweder Form; man kann sich selbst und anderen nichts mehr gönnen und entartet zum freudlosen und verbitterten Pseudoasketen.

 

Die Volksheilkunde empfiehlt das Salomonsiegel bei Blutergüssen, Prellungen, Stauchungen, Brüchen, Gicht, Menstruations-Beschwerden, Husten, Blasensteinen und Verstopfung.

In der TCM nährt sie das Yin, die Substanzorgane, stärkt das Milz- und Magen-Qi, stützt die Nieren, wirkt leicht abführend und wird bei Trockenheit im Darm angezeigt.

Auch die nordamerikanischen Indianer schätzten sie, setzten sie bei erkrankten Schleimhäuten und bei Gelenks- und Knochenbeschwerden ein und er gehörte bei ihnen zur Wolfsmedizin. 

 

Die Salomonssiegelwurzel hilft in schwierigen Lebenssituationen, bei einschneidenden Veränderungen, sie hilft Entscheidungen zu treffen, unterstützt spirituell in solchen Lebensphasen und kann den Zugang (als Schlüssel) zur nicht alltäglichen Wirklichkeit erleichtern. Die Wurzel wächst unterirdisch horizontal und ist sehr leicht aus dem Boden zu holen, d. h. die Pflanze ist nicht sehr fest mit der Erde verbunden – so hilft diese Pflanze auch, sich vom Irdischem (der Erde) zu lösen. Sie kann uns helfen Trennungen zu verkraften und zu akzeptieren und Abschied zu nehmen.