Hortus "Viridis mons"

Vom Beginn im Jahr 2013 bis heute...

Wie es begann...

Als ich im Sommer 2013 einen Beitrag über den "Hortus Insectorum" in der Zeitschrift "natur" (ehemals natur&kosmos) las, war ich zum einen begeistert von der Idee, teilte besonders aber die Beobachtungen, die Markus Gastl beschrieb. Auf meinen nach Modellen und Motiven suchenden Streifzügen durch Feld, Wald und über Wiesen, wurde mir immer mehr die Begrenztheit unserer Artenvielfalt augenscheinlicher, die mit dem Reichtum mannigfaltiger Bestimmungsbücher nicht mehr viel gemeinsam hat; viele Schmetterlings- oder Käferarten, die ich als Kind noch kannte, begegnen mir einfach nicht mehr. Und dies sind nur zwei Spezies. Anderen Insekten, Pilzen, Pflanzen, Kleingetier und Vögeln ergeht es genauso.

Die Natur, aus der wir stammen, aus der wir bestehen und die unser Dasein erst begründet, wird immer mehr einem scheinbar nicht aufhaltbaren Wahn von Ordnungsprinzipien unterworfen, welche auf Ausnutzungsgrad, Sterilität, Kontrollierbarkeit und maximaler Ausbringungsmenge ausgerichtet sind. Zudem wird uns Tag für Tag injiziert, welche Gefahren uns doch auf dem Weg in und durch die Natur begegnen könnten, wovon wir berührt, gestochen, verbrannt, gebissen, vergiftet, infiziert und ausgesaugt werden und das uns nur noch Astronautenanzüge, Impfungsorgien und die gepriesene Gentechnologie vor den listig lauernden Attacken der unberechenbaren Mutter Natur bewahren und beschützen, besonders aber gesund erhalten können. Welch Wahnsinn...

 

Doch zurück zur Idee. Der Beitrag machte mich aufmerksam, da ich zunächst von der strukturellen Einfachheit fasziniert war ( was nicht bedeutet, dass die Umsetzung mit wenigen Handgriffen erledigt wäre ). Und der zweite Gedanke war, dass sich hier für mich eine riesige Motivpalette und zugleich ein einzigartiger Rückzugsort ergeben würde. Doch erst als meine damalige Partnerin Andrea den Artikel las, kam der Stein ins Rollen. Schon einige Zeit suchten wir ein abgelegenes Grundstück zum Naturbelassensein und Seelebaumelnlassen. Wir fanden auch eines, wohl das denkbar ungünstigste für dieses Vorhaben. Stark bewaldet, vollkommen überwuchert und von einer Hanglage gesegnet, die das ganze Projekt eigentlich in Frage stellt. Doch wohl genau das macht den Reiz aus und verlieh der Idee ihren endgültigen Namen; Hortus "Virvidis mons" bedeutet "Blühender Berg".

Ganz ohne schweres Gerät und radikale Vorgehensweise würde viel zu viel Zeit vergehen. Einer Sache sollte man sich gewiss sein; "Man wird sich von Einigem trennen müssen.."

Zunächst mag es erscheinen, als würden wir geistentrückt alles dem Erdboden gleichmachen und wären dabei, ein Biotop blindwütig zu zerstören. Doch jeder Zweig und Halm, jede Wurzel, jeder gefallene Baum findet Verwendung, schafft neuen Raum und neue Nischen für das Leben, für die Vielfalt, welche immer weniger geworden ist und hier die einst verlorene Heimat in ihrer Komplexität wieder finden soll. 

Im Moment stehen wir ganz am Anfang, noch tief in den Kinderschuhen. Unzählige Bäume müssen gefällt, Sträucher entfernt, Erde, Fels und Steine abtransportiert und verlagert werden. Noch nicht absehbare Mengen an Sand, Schotter, Kies, Ziegel und Schutt müssen herangeschafft, der Hang vor dem Abrutschen bewahrt und abgefangen werden und und und... Die Zugänglichkeit - eben benannte Hanglage - des Geländes erlaubt nur bedingt den Einsatz maschineller Hilfsmittel. Bleibt eben nur unabdingbare Beharrlichkeit und voller Körpereinsatz. 

 

Und immer soll ein Gedanke der tragende sein:

 

"Wer ewig sinnt und nicht beginnt, 

dem ungenützt die Zeit verrinnt!"

 

Eine Übersicht zu den bereits bestehenden Horti finden Sie unter:

 

www.hortus-insectorum.de/die-hortus-gemeinde/

Erster Eindruck 2013
Es wird Licht
Erste Erfolge
Erste Besucher 1
Erste Besucher 2
Kommt Licht, kommt Leben
Der Hang wird gebändigt

2014, es geht voran

Das neue Jahr hat begonnen und der milde Winter hat es uns neben zwei Tagen mit Schneefall ermöglicht, nicht träge und untätig zu sein. Erst der Vergleich mit den Bildern des Urzustandes zeigt uns, wie weit wir tatsächlich schon voran gekommen sind. Dieses Gefühl haben wir während wir im Garten beschäftigt sind nicht unbedingt. Die A-Zone gestaltet sich allmählich, doch die getürmten Unmengen an immer noch im Saft stehendem Tannengrün stören gelegentlich; obwohl wir einen Großteil davon für den Heckenaufbau verwendet haben, ist noch viel zu viel übrig.

Bei der B-Zone ist schon ein wenig Struktur erkennbar - wenn auch nur in unseren Köpfen und nicht für die vorbei streifenden Wanderer, die ungläubig unserem Treiben zusehen. Den Hang abzufangen gestaltet sich nicht all zu einfach. Der Boden ist sehr locker und trocknet an der Oberfläche sehr sandig ab. Die Hanglage zwingt uns, diese terrassenartig abzufangen, um sie mit Schotter und Steinen auf die nötige Höhe auffüllen zu können. Die verbliebenen Baumstämme dienen hier als Sperre, Stahlrohre und Baustahl, die bis auf 1,5 m in den Boden getrieben werden, als Stützpfeiler. Hierbei wird schon mal auch ein in der Erde liegendes Stromkabel durchtrennt. Auch hier muss alles per Hand erledigt werden - was zwar mühsam, aber Gesundheit und aufrechter Körperhaltung durchaus zuträglich ist. Neben einer geliehenen Kettensäge und einem Kaffeekocher verwenden wir keinerlei technisches Gerät, abgesehen von üblichen Garten- und Baugerätschaften. Dadurch erkennt man sehr schnell, wozu in welchem Zeitraum ein Mensch durch seiner Hände Wirken tatsächlich in der Lage ist. Doch der Verzicht auf Maschinen jeglicher Art ist erwünscht, um genau diese Erkenntnis und den Respekt vor der eigenen Fähigkeit zu nähren.

Die C-Zone wird derzeit noch mit Erde aufgefüllt, welche wir vom Hang abtragen. Die Erde ist locker und sandig, leitet Nässe gut ab, was der Ertragszone später sicher sehr dienlich ist. Nur die Wurzel einer Kiefer muss hier noch entfernt werden, und diese Kiefer war durchaus beeindruckend. Die Wurzel ist es noch.

 

Alles Material findet Verwendung
Hier sah es zuvor so aus ( nächstes Bild )
ein Jahr zuvor
Neue Mauerkrone vor der Terrasse...
...mit Schnittresten vom Steinmetz verfüllt
Sandgrabwespe verbringt eine paralysierte Eulenfalterraupe
Die zweite von drei Füllmaterial-Lieferungen
Mager, und doch gedeiht es
Kurze Atempause

2015, langsam, schwer, mühsam..., aber lohnenswert

Ein ebenso milder Winter wie der vergangene liegt hinter uns. Das gab uns die Gelegenheit, das undichte Dach der Hütte zu decken und den Kamin neu setzen zu lassen. Das Wasser bleibt nun draußen und die Wärme drinnen.

Die im letzten Jahr bereits abgemagerten Flächen sind regelrecht explodiert. Die Zypressen-Wolfsmilch, das Johanniskraut, der Saat-Mohn, das Sempervivum, der Steinbrech und all die anderen gepflansten und gesäten haben sich sehr gut vermehrt; besonders jedoch das orangerote Habichtskraut - es quillt aus allen Ecken und Ritzen und schreit danach, dass hier im nächsten Jahr regulierend eungegriffen werden muss.

Andrea erweitert derzeit die C-Zone auf der anderen Seite der Hütte für Kartoffeln, Topinambur und die Milz stärkende rote Bete, ich bearbeite die bereits im letzten Jahr angelegte Fläche, baue Grünkohl, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch und Bohnen an. 

Nebenbei bringen wir Steinblöcke ( bis 120 kg ) über die 36 recht steil ansteigenden Stufen nach oben, um der C-Zone einen Rahmen zu verleihen; und nicht zu vergessen, der Ziegelschutt bewegt sich auch Eimer für Eimer nach oben, damit die B-Zone verfüllt werden kann. In jedem Fall möchten wir es in diesem Jahr noch schaffen, etwa 20 Tonnen Kalkschotter und Sand liefern zu lassen, um die B-Zone saat- und pflanzfertig zu machen. 

 

Leider hat das Leben nun aber, seit Jahresmitte etwa, einen anderen Weg für uns bereitet. Meine Beteiligung ruht und ich kann nicht sagen, ob meine Wege es zulassen, mich weiterhin dem Hortus zu widmen. Viel Herzblut ist geflossen, auch viele Tränen.

Der Hortus wird in jedem Fall erhalten bleiben und vieles von mir, wird sich dort finden!!!

Keine Vertigo aufkommen lassen
Wilde Wege

2017, bin wieder da...

Nach einer etwa eineinhalbjährigen Zwangspause bin ich zu Beginn diesen Jahres in den Garten zurück gekehrt und habe ein wenig den Eindruck, noch einmal von vorn beginnen zu müssen. In den Pausen jedoch erst bemerkt man, wie sich auch ohne menschliches Zutun etwas bewegt, entwickelt und etabliert. So beobachte und zähle ich die Vogelarten. Zaunkönig, Heckenbraunelle, Rotkehlchen, Zweigesänger, Zilpzalp, Blau-, Kohl- und Tannenmeise, Grauschnäpper, Mönchsgrasmücke, Feldsperling, Star, Eichelhäher, Amsel, Buntspecht, Türken- und Hohltaube konnte ich bisher erkennen. Milan und Mäusebussard kreisen (wohl aus gegenseitigem Respekt) abwechslend überm Hortus. 

In den ersten warmen Märztagen schickten sich eilig auch wieder die ersten Eidechsen an, die sonnigsten Plätze zu finden. Kröten hocken in Erdlöchern und unter Steinen, einige Bergmolche klettern unbeholfen und etwas verschlafen wirkend den steilen Hang hinauf...

 

Die stark umwaldete Lage des Gartens ermöglicht nicht, alle Pläne umzusetzen. Es machte keinen großen Sinn uralte Bäume und Sträucher zu schlachten, um eine Zone zu schaffen, die an diesem Ort ursprünglich nicht bestand. Die Hot-Spot-Zone ist zwar verhältnismäßig klein und durch die extreme Hanglage schwierig als reine Magerfläche zu halten, funktioniert aber. Dem ursprünglichen Gedanken, sie in den sich anfügenden halbschattigen Bereich zu erweitern, haben wir abgeschworen. Diese Hangwiese drückt sich durch üppiges Wachstum von Giersch, Goldrute, Brennnessel, Scharbockskraut, Labkraut, Gundermann, Klettenlabkraut und weiteren nitrophilen Pflanzen aus. Dieses Kleinod, in dem sich unzählige Insekten ganzjährig tummeln und welches von Kröten, Molchen und Eidechsen durchwandert wird, zu zerstören, wäre geistlos. 

Im März habe ich großzügig Phacelia, Serradella (großer Vogelfuß), Sinapis alba (Gelbsenf) und Trifolium repens (Weißklee) ausgesät. Zudem haben wir reichlich selbstgezogenen Salomonsiegel, stinkende Nieswurz und punktierten Gilbweiderich in die Wiese gepflanzt.    

Die A-Zone im unteren Teil ist lang noch nicht so, wie ich sie mir wünsche. Derzeit gedeihen dort Berberitze, Liguster, Hasel, Holunder, Hamamelis, roter und weißer Hartriegel, Hundsrose, Topinambur, Stockrose, Pastinake, Fenchel, rote Bete, Weißwurz, wolliger und Waldstorchenschnabel, Frauenmantel, Maiglöckchen und viele viele mehr. Große Haufen aus Strauch- und Baumverschnitt sowie Dachziegeln warten noch auf einen sinnvollen Einsatz.

Zur Saatgutgewinnung ziehe ich Eisenhut, Heilziest, Muskatellersalbei, Bärwurz, Wiesen-Margerite, Knöterich, Akelei, Rittersporn, Natternkopf, Skabiose, Primel und Wirbeldost. 

Im Gemüsegarten finden sich in diesem Jahr Radieschen, Karotten, Rettich, rote Bete, Fenchel, Pastinake und Erdbeeren. 

Neu und ohne mein Zutun haben sich die Nachtkerze, die Kornrade, die Wucherblume, das Johanniskraut und (zu meiner großen Freude) die wilde Karde eingefunden, von der ich hoffe, dass sie alsbald den Distelfink (Stieglitz) anlocken wird.

 

Und viele Ideen keimen in mir...

Es schmeckt nach Licht...
...und nicht allein
Waldvergissmeinnicht, Gundermann, Ackerkratzdistel, große Brennnessel, Löwenzahn
Walderdbeere, Zypressenwolfsmilch, Habichtskraut
Eidechsen-El Dorado
Blick vom Sofa
"Helleborus opus habet!"
Zwergmispel trifft Totholz
Abendbrot vom Sofa