Auf meinen Wegen
Die einheimische Flora übt schon lange eine große Anziehungskraft auf mich aus. Als gelernter Koch lernte ich mich zunächst über gängige Küchenkräuter und deren gesundheitlichen Wirkungen in sie
hinein, beschäftigte mich näher mit ihnen, studierte, beobachtete sie, baute sie in meinem Hinterhofgarten an, bildete mich naturheilkundlich gezielt weiter.
Die ausgiebigen Streifzüge durch Wiesen und Wälder in meinen "Lebensgegenden" sensibilisierten meinen Blick für die stillen Begegnungen mit den wilden Pflanzen, deren Wesen sich mir nach und nach
eröffnete - beinahe so, als zeigten sie sich mir erst dann, wenn ich zu sehen bereit bin.
Neben ihrem mal fragilen, mal derben, mal offenherzigen, mal schüchternen, mal aufdringlichen oder verletzlichen Erscheinungsbild fasziniert mich auch ihr mythologischer und ethnobotanischer
Hintergrund, ihre heilenden Wirkspektren, ihre astrologische Entsprechung, die Signaturenlehre - schlichtweg alles, was ich über sie erfahren kann; und was mir Pflanzen allein durch die Begegnung mit
ihnen zu vermitteln mögen.
Gemalt und gezeichnet habe ich schon immer gern und viel. Irgendwann, aus einer Laune heraus, begann ich mit einer ersten Botanischen Illustration. Und sie gelang mir recht gut. Also setzte ich in
diesem Tun fort.
Später legte ich den "Hortus viridis mons" an, einen Garten nach dem Drei-Zonen-Prinzip nach Markus Gastl, dessen zentrales Element aus einer Magerzone besteht. Die Vielfalt, die sich hier auch oft
ohne mein Zutun etablierte, war erstaunlich. Und auch, wie schnell sich unzählige, seltene und geschützte Insekten- und Kleintierarten ansiedelten. Hier habe ich allein aus der Beobachtung heraus
sehr viel lernen können - und auch, dass man in einem Garten, der nicht korsettiert wird und sich nach seinem Willen frei entfalten darf, lernt, Jahr für Jahr andere Wege zu gehen und vom Garten
selbst "geführt" wird.
Zunächst betrachte ich auf meinen Wegen meine "Models" über eine ganze Vegetationsperiode hinweg. In welcher Gesellschaft gedeihen sie, von welchen Tieren werden sie besucht, wie reagieren sie auf
Wind und Wetter, auf Neophyten in ihrer Nähe, auf das menschliche Tun und Treiben. Hierdurch ereilt mich eine Art des Wahrnehmungswissens, welches ich festhalte und begleitend zu meinen
Illustrationen gern niederschreibe..., oder ewig darüber rede.
Fasziniert bin ich zudem von einer nicht ganz alltäglichen, aber doch recht alten Betrachtungsweise, um Pflanzen besser sehen und verstehen zu können. Sie nur einfach in den üblichen
Kategoriesierungsmustern wie Pflanzenart, Gattung, Familie, Taxonomie und isolierten Inhaltsstoffen zu sehen, wirkt auf mich viel zu trocken und nüchtern, um das gesamte dahinterstehende Wesen auch
wirklich zu sehen (aber Menschen begegnen sich ja auch nicht mehr viel anders). Die Astrologische Signaturenlehre lässt mich, wenn man sie sich erst einmal angeeignet, gelernt, geübt und verstanden
hat, Pflanzen viel besser verstehen und eben nicht nur nackt als Art und Gattung erkennen. Diese Art des tieferen Begegnens und Verstehens ist in seiner Informationstiefe und -dichte dirket
vergleichbar mit den Informationen, die aus dem professionellen Horoskop eines Menschen zu entnehmen ist. Und ob das nun unwissenschaftlicher Mumpitz sein mag oder nicht - ich gewinne hierbei tiefe
Ein- und Ansichten, die mir, bis auf wenige Ausnahmen, die Fachliteratur einfach nicht bieten kann.
Auch verarbeite ich die "Wilden" sehr gern - sofern sie der menschlichen Ernährung zuträglich sind - und schaffe so eine Verbindung aus Kunst und Genuss, der sich meine unzähligen ehemaligen
Auszubildenden und Schüler nicht entziehen konnten. Die Prämisse, dass der Begriff Gastronomie wörtlich mit "Vorschrift zur Pflege des Bauches" zu übersetzen ist, war schon in meinen jungen Jahren
Dreh- und Angelpunkt meiner Arbeit als Koch, Hotelbetriebswirtspäter, als Küchenchef, Ausbilder, Dozent und Prüfer.