Bauernhortensie (Hydrangea macrophylla)

Der Name Hydrangea taucht erstmals 1739 in der Flora Virginica, einer Beschreibung der im nordamerikanischen Bundesstaat Virginia gedeihenden Gewächse, auf. Er leitet sich von den griechischen Begriffen Hydro = Wasser und angeion ab. Angeion beschreibt die krugförmige Blütenform der Hortensie.

Die vermutliche erste Hortensie in Europa wurde im Jahr 1736 von Peter Collison aus Amerika eingeführt. Etwa um das Jahr 1800 herum zierten die ersten Hortensien, kultiviert in großen Kübeln, die wundervoll angelegten Parks Pillnitz und Weesenstein in Sachsen.

Den Namen Hortensia/Hortensie vergab der Botaniker Commerson im Jahr 1771 der Legende nach zu Ehren einer Dame. Hierfür kommen Hortense Barré, Hortense Lepaute und Madame Hortense de Nassau, drei dem Pflanzenliebhaber nahestehende Frauen in Frage. All diese Erklärungen für die Namensgebung klingen sehr romantisch. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass der Name einfach von dem lateinischen Begriff „Hortus“ (Garten) abgeleitet wurde.

 

Bekannte Hortensien-Arten und ihre botanischen Namen sind beispielsweise Hydrangea mycrophylla (Gartenhortensie, Bauernhortensie), auch als Hydrogena hortensia Hydrangea hortensis bezeichnet; Hydrangea arborescens (Schneeball-Hortensie); Hydrangea quercifolia (Eichenblättrige Hortensie); Hydrangea anomala ssp. Petiolaris(Kletterhortensie); Hydrangea paniculata ssp. „Grandiflora“ (Rispen-Hortensie). 

 

Anderen Quellen zufolge stammt die Hortensie ursprünglich wohl aus Asien und wurde dort für die japanischen Herrscher gezüchtet, dem einfachen Volk aber blieb der Blick auf die Pflanze verwehrt. Auf den Azoren ist die Hortensie mittlerweile zu einem Markenzeichen geworden, ihre tatsächliche Herkunft aber bleibt ein Geheimnis.  

Deutlich jedoch ist an ihrem Wuchs, ihren Blättern, ihren Blüten und der Eigenschaft, die Triebe verholzen zu lassen zu sehen, dass eine unverkennbare Nähe zu den Hartriegelgewächsen besteht, die auf der ganzen Nordhalbkugel anzutreffen sind. Die meisten Cornus-Arten finden sich in Ostasien und im östlichen Nordamerika.

 

Doch gibt es zu den Hortensien noch mehr zu sagen. In der Blumensprache steht sie für: „Hast du mich wirklich schon vergessen?“  oder auch „Du bildest dir zu viel auf dich ein.“  „Hochachtung“ wird ihr angehangen, „Eitelkeit“ zudem und auch „Der Tod“ wenn sie weiß blühend ist. In der Literatur taucht sie auch auf, wenn man jemanden sagen möchte, wie man ihn oder sie immer wieder zu bewundern vermag oder auch, wenn jemand ein Wichtigtuer ist. 

Natürlich basieren diese Aussagen auf die jeweiligen Erfahrungen und Situationen. Zudem variiert die Botschaft auch durch den Form- und besonders Farbenreichtum und nicht zuletzt durch die unglaubliche Vielzahl gezüchteter Hortensien-Arten. Möchte man sich diesem Kosmos ein wenig erleben, empfehle ich gern das Buch: „Die verborgene Sprache der Blumen“ von Vanessa Diffenbaugh. 

Nur einer fällt mir noch ein, der, wie kein anderer, auszudrücken vermag, was er bei mehr als einer flüchtigen Beobachtung erlebt und empfindet. 

 

Rilke, RainerMaria (1875-1926)

Blaue Hortensie

 

So wie das letzte Grün in Farbentiegeln 

sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh, 

hinter den Blütendolden, die ein Blau 

nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.

Sie spiegeln es verweint und ungenau, 

als wollten sie es wiederum verlieren, 

und wie in alten blauen Briefpapieren 

ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;

Verwaschenes wie an einer Kinderschürze, 

Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht: 

wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.

Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen 

in einer von den Dolden, und man sieht 

ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.

 

© Kay Weber