Knoblauchsrauke

Seit viele Gebüsch- und Wegränder durch Abfälle verschmutzt und durch Düngereintrag eutrophiert werden und zunehmend altes Gartenland brachfällt, können sich stickstoffliebende Pflanzen ungestört ausbreiten.

Die Knoblauchsrauke beherrscht mittlerweile ganze Wald- und Gebüschsäume zusammen mit Brennnessel, Klettenlabkraut und Giersch. Früher war sie als Salatpflanze in Bauerngärten durchaus vertreten. Ihr stark an Knoblauch erinnernder und bisweilen nussig-bitterlicher Geschmack, garantiert ihr auch heute einen festen Platz in meinen alljährlichen Sammelritualen. Am liebsten verarbeite ich sie zusammen mit Weizenkeimöl, Pecorino, gutem Salz, gewalztem Pfeffer und Nüssen (meist Haselnüsse) zu Pesto. Aber auch als Salatzutat, für Kräuter- und Kartoffelsuppen und zu Wildgerichten eignet sie sich hervorragend. Letztendlich passt sie zu allem, wo auch der Knoblauch hinein gehört, doch darf sie bei länger gegarten Gerichten keinesfalls viel Hitzeeinfluss erfahren, da ihr Geschmack sonst zu bitter und gallig werden kann. Bei gebratenen, geschmorten oder länger gekochten Gerichten sollte sie eine der abschließenden, vollendenden Zutaten sein.

Ähnlich wie Knoblauch, wirkt sie zunächst desinfizierend, versorgt uns mit reichlich Calcium, Magnesium und Vitamin C. Ihre Eigenschaft, bakterielle Infektionen, umweltbedingte Erkrankungen, Akne, Substanzverlust und Störungen des Kupferstoffwechsels beim Schopfe zu packen, verrät die Signatur der Venus. Sie steht für Ausgleich, Substanzbildung, Mütterlichkeit, die Verbindung von Geist und Materie. Fortuna major“ – das kleine Glück, dass ist der Auftrag der Venus. Ihr geht es um das sinnvolle Nutzen von Energien, sie angemessen im Körper zu verteilen und einzulagern. Primär entspricht die Venus den Nieren, die neben der Ausfilterung von Harnstoff auch das Säuren-Basen-Gleichgewicht und den pH-Wert der Körpersäfte zuständig sind. Wenn uns etwas an die Nieren geht, heißt das, dass wir in unangemessener Weise aus unserem psychosomatischen Gleichgewicht gebracht sind. Die Steuerung von Regelmechanismen hat viel mit unserer inneren und äußeren Welt zu tun. Anhand ihrer Ausdehnungsfreude erkennt man eine weitere Planetensignatur, nämlich die  Eigenschaften des Jupiter (wie Sie beim Storchenschnabel erfahren können).

Die Knoblauchsrauke hilft uns neben vielen anderen frischen, den Winter aus den steifen und frierenden Knochen treibenden Frühlingskräutern, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen. Bei einer zünftig-kräuterigen Frühjahrskur sollte sie nicht mehr fehlen. Selbst in die Gründonnerstagssuppe – die keltische grüne Neune – gewähre ich ihr Einzug, auch wenn sie vom Ursprung her nicht hinein gehörte. 

Scheinbar drängt sie sich uns dank ihres massenartigen Vorkommens genau dann auf, wenn unser Gleichgewicht – ob wir es nun zugeben wollen oder nicht – es benötigt. 

Viel Spaß beim Sammeln, kochen, essen, auftanken und ausgleichen.

© Kay Weber