Hundsrose/Hagebutte (Rosa canina)

Jede Hecke und wilde Ecke im Garten bietet Insekten Schutz vor kalten, austrocknenden Winden und eignet sich als regelrechte Bienenweide, Futter- und Aufenthaltsort für Vögel und Kleingetier. Neben Schlehe, Traubenkirsche, Felsenbirne, Maulbeere, Sanddorn und Weißdorn gehört auch die Heckenrose unbedingt dazu. 

Die einen ursprünglichen Wald oder naturnahem Garten umschliessende Hecke ist ein „Ort des Übergangs“, die Einlass gewährt in eine Welt der Vielfalt, die nicht nur dem heutigen  Schrebergärtner einen Schauer durch Mark und Bein bescheren wird.

Nicht umsonst empfiehlt Edward Bach bei seinen Bachblüten die Heckenrose „Wild Rose“bei Resignation und Apathie; Lebenseinstellungen wie „...ich lasse die Dinge laufen...“, „...es ist doch egal...“ und „...ich habe mich damit abgefunden.“ begegnen wir ununterbrochen. Neue Ansichten, neues Lebensinteresse, Unternehmungslust und Zugriff auf neue Chancen vermittelt uns die „Wild Rose“ - daher ist sie wohl auch eine der am häufigst verschriebenen Bachblüten überhaupt. Vielleicht sollte man sie als „gesellschaftliches Therapeutikum“ in unser Trinkwasser einleiten - anstelle von überdosiertem und daher stumpfsinnig machendem Flourid, unfruchtbarmachenden Hormonen und Antidepressiva aus Human- und Veterinärmedizin, Betablocker, Antibiotika, Antihistaminika usw.. Ob bewusst vollzogen oder „ungewollt“, es macht uns krank, abhängig, beeinflussbar, steuerbar, form- und manipulierbar. Wir sollten Alle durch die Hecke, „den Ort des Übergangs“ gehen, schauen, was dahinter liegt, uns zu empfangen und zu begrüßen bereit ist, ohne uns zu fragen und zu fordern aufnimmt - Mutter Erde, Freya, Gaia, Mutter Natur, Frau Holle und welche Namen man ihr auch noch gegeben haben mag. Und dies, um festzustellen, dass wir selbst es sind, auf den wir treffen, aber so, wie wir gedacht sind.

Doch auch dieser Weg wir nicht so einfach zu gehen sein, weil er doch mit der Transformation unseres Selbst in Verbindung steht. Hecken scheinen oft undurchdringlich, wirken undurchsichtig, verworren, sind sie doch mit Dornen (botanisch betrachtet Stacheln) gewappnet und halten all jene zurück und fest, welche noch nicht reif sind, den Übergang zu wagen. Die Rosenhecke, die das  hoch  über Allem drohnende Schloss umgibt, in welchem Dornröschen ihren 100-jährigen Schlaf schläft (sie weilt in anderen Dimensionen) steht symbolisch für eine andere Welt, der Anderswelt, eine übergeordnete Welt, dem Nirvana, einen Paralleluniversum -, wir wissen es nicht besser. Ich denke, dass nur jene Prinzen und Eroberer in der Hecke hängen blieben, welche rein instinktiv oder triebgesteuert handelten, zu Höherem aufsteigen wollten, dies aber nicht aus unbeflecktem Herzen und auch nicht aus reiner Selbstlosigkeit taten. Sie wurden zurück ins irdische Dasein geworfen, müssen ihre karmische Aufgabe erst noch erkennen um sie erfüllen zu können. Dornröschen erscheint mir hierbei wie der Schöpfungsgedanke selbst, den es hoch oben auf dem Schloss zu erklimmen gilt. 

Die Blütenblätter der Heckenrose ergeben einen angenehm schmeckenden Tee, die gerösteten und gemahlenen Samenkerne einen guten Kaffeeersatz, können auch als Mehl Verwendung finden. Besonders in Franken wird noch heute Hiffenmark (Hagebuttenmarmelade) hergestellt. Eine sehr aufwendige und mühselige Arbeit zwar, aber kulinarisch unvergleichlich. Kinder bastelten sich aus Hagebutten Ketten, Figuren oder Geschirr für die Puppenküche. Die Früchte mit ihren Härchen waren als Juckpulver in Kinderkreisen gefürchtet. 

Die „wilde Rose“ ist in der Mythologie der Göttin Freya zugeordnet, entspricht im keltischen Baumorakel einem empfindsamen Menschen, der gerne zum Selbstschutz seine Stacheln ausfährt. Die Astrologie erkennt in der Rosenblüte die Signatur der Venus, die für Ausgleich, Mütterlichkeit, Substanzbildung und die Verbindung von Geist (Dornröschen?) und Materie(Prinz?) steht. Doch ist auch der wehrhafte Mars  (Stacheln, sich zunehmend rot färbende Stengel) fester Besandteil des Pflanzenwesens. Er steht für Abwehr, Stich, Verletzung, Beschleunigung und Überreaktion. 

In Dantes „Divina Commedia“ (die Göttliche Komödie; Dante Allighieri) symbolisiert der Fünfstern die Mystische Rose (wie auch in Goethes Garten im Ilmpark). Die Zahl Fünf bildet bei allen Rosengewächsen ein deutliches Erkennungsmerkmal. Die Blütensymetrie spiegelt die fünf Schleifen, welche der Planet (Venus) bei seinem Umlauf innerhalb von acht Jahren entlang der Ekliptik (die scheinbare Bahn der Sonne) zeichnet. Diese  Signatur und die enge Beziehung zu kosmischen Rhytmen verleihen Rosengewächsen den Ruf, Kreisläufe und rhytmische Prozesse im Körper zu beeinflussen.

© Kay Weber